Pflege und Auffälligkeiten nach der Geburt

Nach der Entbindung beginnt für Eltern und Baby eine aufregende Zeit mit vielen Veränderungen. Das Neugeborene ist dabei völlig auf die Pflege und Zuwendung seiner Eltern angewiesen.

Über die sichtbaren Besonderheiten des Neugeborenen haben wir bereits in einem anderen Artikel berichtet.

In diesem Beitrag informieren wir darüber, wie groß und schwer ein gesundes Neugeborenes ist, wie und wann man das Baby das erste Mal baden sollte und was der Inhalt der Windel über die Gesundheit des Neugeborenen verrät.

Gewicht und Größe

Sowohl direkt nach der Geburt als auch in den ersten Tagen danach wird das Baby regelmäßig gewogen. Mit einem durchschnittlichen Gewicht von 3.475 Gramm wiegen deutsche Babys damit im internationalen Vergleich am zweitmeisten.[1]

Ein normales Geburtsgewicht beträgt dabei zwischen 3.000 und 4.000 Gramm bei einer Körpergröße von durchschnittlich 50 – 50 cm. Als normal gelten Babys, wenn sie bei der Geburt zwischen 48 und 56 cm lang sind.

Größe und Gewicht des Nachwuchses sind zumindest teilweise genetisch bedingt. Die Größe der Eltern beeinflusst die Größe des Babys bei der Geburt jedoch nur gering. Erst im späteren Wachstumsverlauf zeigen sich Unterschiede zwischen Babys von großen und kleinen Elternpaaren.[2]

Dagegen haben viele äußere Faktoren einen Einfluss darauf, wie groß schwer das Baby bei der Geburt ist

  • Geschlecht: Statistisch betrachtet sind Jungs etwas schwerer als Mädchen.
  • Körpergröße: Große Babys wiegen mehr als kleine Neugeborene.
  • Geburtswoche: Neugeborene, die zum errechneten Geburtstermin oder später zur Welt kommen, sind in ihrer körperlichen Entwicklung weiter als Frühgeborene; und damit auch schwerer.
  • Schwangerschaftsverlauf: Mütter, die während der Schwangerschaft gesund waren und sie ausgewogen ernährten, gebären in der Regel Babys mit optimalem Geburtsgewicht. Drogen-, Alkohol- oder Nikotinkonsum wirken sich negativ auf das Geburtsgewicht aus. Auch Babys von Müttern mit Bluthochdruck sind häufig leichter.
  • Schwangerschaftsübelkeit: Bei schweren Formen der Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum) können Nährstoffmängel auftreten, die zu einer reduzierten Gewichtsentwicklung des Babys beitragen. In vielen Fällen holt das Baby zum Ende der Schwangerschaft das Defizit wieder auf. Einige Neugeborene fallen dennoch mit einem reduzierten Geburtsgewicht auf.
  • Alter der Mutter: Später gebärende Mütter leiden häufiger unter einer Plazentainsuffizienz. Infolgedessen wird das Baby schlechter mit Nährstoffen versorgt und weist bei der Geburt ein geringeres Gewicht auf.
  • Mehrlingsgeburten: Zwillinge oder Babys aus Mehrlingsgeburten haben fast immer ein geringeres Geburtsgewicht, weil sie sich die Nährstoffe aus der Plazenta teilen müssen. Im Durchschnitt wiegen Zwillinge bei der Geburt 2.350 Gramm, Drillinge 1.680 Gramm.[3]
  • Geringer Abstand zwischen mehreren Schwangerschaften: Je kürzer die Abstände zwischen zwei oder mehr Schwangerschaften sind, desto weniger Zeit hat der Körper der Mutter, sich von den Strapazen der Geburt zu erholen. Eine Studie zeigt, dass kurze Abstände zwischen Schwangerschaften zu einem reduzierten Geburtsgewicht führten. Um dieses Risiko (und das einer Fehlgeburt) zu minimieren, sollte zwischen zwei Schwangerschaften mindestens 18 Monate liegen.[4]

Schlafverhalten

Vor allem für Eltern von Erstgeborenen ist der Schlaf des Babys ein wichtiges Thema. Weil das eigene Schlafverhalten von dem des Babys abhängt, leiden viele Eltern schon kurz nach der Geburt an einem ausgeprägten Schlafdefizit.

Neugeborene schlafen durchschnittlich 16 – 20 Stunden pro Tag.[5] Das klingt zunächst viel, wird aber relativiert durch das häufige Aufwachen des Säuglings. Einen richtigen Schlaf-Wach-Rhythmus mit Bezug auf die Tages- und Nachtzeit haben Neugeborene nämlich nicht. Eine einzelne Schlafphase dauert – unabhängig von der Tageszeit – etwa 2 – 2,5 Stunden.

Das bedeutet, dass Neugeborene auch in der Nacht mehrmals aufwachen und dann gestillt, gewickelt und/ oder beruhigt werden müssen, damit sie wieder einschlafen. Viele Tiefschlafphasen hat das Neugeborene noch nicht: Es verbringt seine Schlafzeiten überwiegend im REM-Schlaf.[6]

Erste Veränderungen des Schlafrhythmus bemerken die Eltern nach etwa vier bis sechs Wochen. Das Baby entwickelt typische Einschlaf- und Aufwachzeiten und findet damit das erste Mal so etwas wie eine Routine. Babys, die von Anfang an nachts durchschlafen können, gehören damit zur absoluten Ausnahme.

Erst nach etwa drei Monaten schläft jedes zweite Baby in der Nacht durch. Die Schlafphasen variieren dann zwischen sechs und acht Stunden.

Bis sich das Hunger- und Sättigungsgefühl reguliert hat, brauchen viele Säuglinge etwa ein halbes Jahr.[7] Einige Babys benötigen noch länger, um sich einen Schlafrhythmus anzueignen. Hier müssen Eltern viel Geduld haben.

Was man im Falle von hartnäckigen Schlafschwierigkeiten im Säuglingsalter tun kann und wo es Hilfe für Betroffene gibt, erklären wir in einem separaten Artikel.

Babys erstes Bad

Viele Jahrzehnte lang war es in Krankenhäusern üblich, das Baby gleich nach der Geburt zu baden. Diese Praxis diente vor allem dazu, Blut, Käseschmiere und Reste des Fruchtwassers von der Haut zu entfernen.

Immer mehr Mütter entscheiden sich jedoch dazu, das Neugeborene in den ersten 12 Stunden nach der Geburt nicht zu baden und zu waschen. Und das aus gutem Grund. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass das zeitige Baden nach der Geburt für Mutter und Kind einige Schwierigkeiten bringen kann.

Weil Fruchtwasser ähnlich riecht wie das Sekret, das aus den Duftdrüsen rund um die Brust ausgeschieden wird, erschwert frühes Baden dem Baby das Wiedererkennen eben dieses Duftes.[8]

In einer Studie hat sich gezeigt, dass sich jene Babys, die nicht direkt nach der Geburt gebadet wurden, deutlich leichter anlegen lassen als frisch gebadete Babys. Weil dem Baby der Duft des Fruchtwassers ohne das Baden länger anhaftet, findet es aufgrund seines Instinktes den Weg zur Brust deutlich leichter.

Ein weiterer Faktor ist auch die Erschöpfung nach der Geburt. Durch das Baden wird das Neugeborene zusätzlich angestrengt und schläft eher vor Erschöpfung ein, als sich vor dem ersten Schlaf noch stillen zu lassen. Dies erhöht direkt nach der Geburt das Risiko für Stillprobleme.[9]

Das Abwaschen der Käseschmiere ist laut vieler Hebammen und Ärzte nicht nötig. Ganz im Gegenteil weist die schmierige, weiße Substanz viele pflegende Inhaltsstoffe auf, die die Haut des Babys schützen und pflegen. Sie grob mit einem Handtuch abzureiben und den Rest in die Haut einzumassieren ist für das Baby deutlich besser, als es direkt nach der Geburt mit den Strapazen eines Bades zu belasten.[10]

Babys erstes Bad kann deswegen auf den zweiten oder dritten Tag nach der Geburt verschoben werden. Alles, was man zum Baden benötigt, haben wir in unserem Artikel zum Thema Erstausstattung aufgelistet.

In den ersten Wochen nach der Geburt wird zum Baden nicht zwingend ein Badezusatz benötigt. Warmes Wasser mit einer Temperatur von 37° – 38° C ist vollkommen ausreichend, um die empfindliche Haut des Babys zu reinigen.

Mit einem Badethermometer lässt sich die Idealtemperatur problemlos einstellen. In den ersten Lebenswochen kann das Baby beispielsweise im Waschbecken gebadet werden. Alternativ eignen sich auch Baby-Badewannen, die man auf die Waschmaschine stellen oder in die Badewanne einhängen kann.

Weil das Baby seinen Kopf nicht selbst halten kann, muss es während des Badens die ganze Zeit gehalten und gestützt werden. Dabei darf das Baby keinen Moment aus den Augen gelassen werden.

Ein Bad sollte anfangs nicht länger als fünf bis zehn Minuten dauern. Das Baby könnte sonst auskühlen. Die meisten Babys sind nach dem Baden hungrig und müde. Der ideale Zeitpunkt für Babys Bad ist deswegen für viele Familie der Spätnachmittag oder frühe Abend.

Nach dem Baden wickelt man das Baby in ein idealerweise vorgewärmtes Handtuch und tupft es vorsichtig trocken. Ein Kapuzenhandtuch schützt dabei vor Wärmeverlust am Kopf und sorgt gleichzeitig für ein wohliges, geborgenes Gefühl. Viele Eltern nutzen zum Trocknen von Hautfalten und für die Haare einen Haarföhn.

Einige Babys mögen den warmen Luftstrom, andere fürchten sich vor dem lauten Geräusch. Einen Versuch ist die Verwendung des Gerätes aber wert, weil so ein besonders schnelles und schonendes Trocknen möglich ist.

Nach dem Abtrocknen genießen viele Babys den Körperkontakt beim Eincremen mit Babyöl oder einer Pflegelotion. Anschließend wird das Baby gewickelt und angezogen. Viele Säuglinge schlafen nach dem Baden schnell ein, andere möchten im Anschluss gestillt werden. Im Laufe der Zeit finden Eltern und Baby so eine Bade- und Pflegeroutine, die zu einem sehr schönen Ritual werden kann.

Nabelpflege

Nach dem Abnabeln verbleiben zunächst ein Rest der Nabelschnur und eine Klemme am Bauch des Babys. Der Nabelschnurrest trocknet schnell ein und fällt innerhalb einer Woche nach der Entbindung ab. Während dieser Zeit benötigt die Wunde besondere Aufmerksamkeit, damit keine Entzündung entsteht.

Für das reizlose Abheilen des Nabels ist es wichtig, dass der Bereich sauber und trocken gehalten wird. Deswegen sollten die Eltern sich vor jedem Berühren des Nabels die Hände gründlich waschen.

Beim Wickeln ist es wichtig, dass der Bund der Windel unterhalb des Nabels auf der Haut aufliegt. Die Windel darf nicht verrutschen, weil sie sonst auf dem Nabel reibt und Irritationen und verursachen kann.

Einige Hebammen empfehlen, mit dem ersten Bad des Babys zu warten, bis der Nabelschnurrest abgefallen ist. So lange der Nabel aber reizlos ist und keine Anzeichen einer Entzündung zeigt, kann das Baby auch früher gebadet werden. Das Bad sollte jedoch kurz gehalten werden, damit die Wunde nicht allzu sehr aufweicht.

Einmal täglich sollte der Nabel außerdem gereinigt werden. Am einfachsten und schonendsten gelingt dies mit warmem Wasser und einem Wattestäbchen. Anschließend wird der Bereich sorgfältig trocken getupft. Reiben ist dabei zu vermeiden.

Ob der Nabel offen oder abgedeckt besser abheilt, ist immer eine individuelle Frage. Der Empfehlung von Hebamme oder Kinderarzt sollte man jedoch in jedem Fall folgen. Heilt der Nabel problemlos ab, ist eine weitere Pflege mit Puder, Öl oder Creme nicht erforderlich und in den meisten Fällen auch nicht empfehlenswert. Hier gilt: Weniger ist mehr.

Ist die Stelle rund um den Nabel gerötet oder geschwollen, sollte man den Kinderarzt aufsuchen. Auch eitriges Sekret oder ein wahrnehmbarer Geruch können auf eine Infektion hindeuten.

Wickeln

Neugeborene werden etwa sechs bis zehn Mal pro Tag gewickelt. Das Wickeln ist dabei nicht nur eine Zeit der Körperpflege, sondern bietet auch viel Raum für Nähe und Spielspaß.

Babys genießen die Aufmerksamkeit beim Wickeln und erfreuen sich dabei vor allem am freien Strampeln ohne Kleidung. Damit das Baby dabei nicht friert, verwenden viele Eltern einen Heizstrahler über oder in der Nähe des Wickeltisches.

Gerade in den ersten Lebenstagen sind Eltern sich unsicher, wann es Zeit zum Wickeln ist. Als Faustregel gilt: Das Baby sollte immer dann gewickelt werden, wenn etwas in der Windel ist. Viele Neugeborene äußern sich lautstark, wenn ihnen eine volle Windel Unbehagen bereitet.

Eltern können sich beim Thema Wickeln schon sehr früh auf ihr Gefühl verlassen. Bereits nach einigen Tagen können sie am Weinen erkennen, ob eine volle Windel, Müdigkeit, Langeweile oder Hunger dem Baby aufs Gemüt drücken.

Fast alle Babys müssen auch nachts mindestens einmal gewickelt werden. Um die Wachphasen in der Nacht auf ein Minimum zu reduzieren, sollte das Wickeln in behaglicher Atmosphäre und mit möglichst wenig Licht erfolgen.

Bei Stuhlgang und durchnässter Kleidung muss das Baby zwingend gewickelt, gewaschen und umgezogen werden. Ist in der Windel nur Urin, kann das Wickeln auch bis zum nächsten Tag warten, wenn die Haut am Po nicht gerötet oder gereizt ist. Um einem wunden Po vorzubeugen, sollte vor allem abends eine dünne Schicht Wundschutzcreme aufgetragen werden.

Wie man einen idealen Wickelplatz einrichtet, wie man die beste Windel findet und viele weitere Tipps zum Wickeln haben wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst.

Mekonium

Als Mekonium oder Kindspech bezeichnet man den ersten Stuhlgang, den ein Neugeborenes nach der Geburt absetzt. Anders als normaler Stuhlgang besteht das Mekonium überwiegend aus Schleimhautzellen, verschlucktem Fruchtwasser, Lanugohaaren, Hautzellen und eingedickter Galle.

Vor allem durch die Körpersekrete ist das Kindspech von grünlich bis schwarzer Farbe und hat eine zähe und klebrige Konsistenz. Anders als häufig erwartet, ist das Mekonium jedoch annähernd geruchlos.[11]

Bei Babys, die von Anfang an gestillt werden, geht das Mekonium durchschnittlich etwas früher ab. Durch die leicht abführende Wirkung der ersten Muttermilch (Kolostrum) wird die Ausscheidung angeregt.

Babys mit Neugeborenengelbsucht profitieren besonders davon, weil mit dem Mekonium größere Mengen Bilirubin ausgeschieden werden. Mehr zum Thema Neugeborenengelbsucht haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Mit der ersten Nahrungsaufnahme setzt dann auch die Verdauung des Babys ein. Farbe, Konsistenz und Geruch des Stuhlganges verändern sich dann sichtbar. In der Übergangszeit wird das Mekonium durch die Aufnahme von Muttermilch heller und fester.

Innerhalb der ersten drei Lebenstage ist die Ausscheidung des Mekoniums abgeschlossen. Der anschließende Muttermilchstuhl ist gelblich bis ockerfarben und von breiiger Konsistenz. Er zeigt an, dass das Baby ausreichend gestillt wird und seine Verdauung problemlos funktioniert.

Gestillte Babys haben dabei durchschnittlich häufiger Stuhlgang als Babys, die ausschließlich Flaschennahrung erhalten. PRE-Nahrung wirkt sich auch auf die Farbe und die Konsistenz des Stuhls aus. Er ist in der Regel fester, geformter und von gründlicher bis bräunlicher Färbung.

Darüber hinaus gehende Veränderung in Farbe oder Konsistenz können auf Entwicklungs- oder Verdauungsstörungen hinweisen. Auch die Ernährung der Mutter kann bei gestillten Babys Einfluss auf die Farbe, Menge und die Form des Stuhlganges haben.

Bei deutlich sichtbaren Veränderungen, die nicht mit einer Ernährungsumstellung erklärt werden können, sollten Eltern sich an ihren Kinderarzt wenden.

Quellen

[1]https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1002220

[2]https://www.urbia.de/services/wachstumsrechner

[3]https://www.tagesspiegel.de/berlin/drillinge-und-vierlinge-mehrlingsschwangerschaften-sind-riskant/20925696.html

[4]https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16622143

[5]https://www.herold.at/blog/schlafbedarf-baby/

[6]http://www.schlaf.de/was_ist_schlaf/1_30_10_remschlaf.php

[7]https://www.tk.de/techniker/magazin/life-balance/familie/bindung-macht-babys-stark/durchschlafen-baby-2060130

[8]https://lansinoh.de/breast-crawl-neugeborene-finden-allein-zur-brust/

[9]https://www.jognn.org/article/S0884-2175(18)30391-5/fulltext

[10]https://www.pharmazeutische-zeitung.de/richtig-gepflegt/

[11]https://www.netdoktor.de/schwangerschaft/kindspech/

Bildquellen

Illustrationen: Natalya Zelenina