Kinderkrankheiten – Alles andere als harmlos

Masern, Röteln und Co. gelten zu Unrecht als harmlose Kinderkrankheiten, die jedes Kind durchgemacht haben sollte. Viele Eltern sind immer noch der Meinung, dass jedes Kind die häufigsten Kinderkrankheiten problemlos wegsteckt und dass der beste Weg zur Immunität der ist, das Kind diese Krankheiten durchlaufen zu lassen.

Neben schweren Komplikationen, die einige Kinderkrankheiten mit sich bringen können, sind einige dieser Infektionen auch für Erwachsene problematisch. Schwangere und Personen, die zu einer gesundheitlichen Risikogruppe gehören, können durch Kinderkrankheiten gesundheitlich in starke Bedrängnis geraten.

Das Risiko für schwere Verläufe ist bei Erwachsenen ebenfalls erhöht. Neben der durchgemachten Infektion schützt vor allem eine Impfung gegen die wichtigsten Kinderkrankheiten.

Wir stellen in diesem Artikel die häufigsten Kinderkrankheiten mit ihren Symptomen vor, erklären, wie man sich dagegen schützen kann und was zu tun ist, wenn das Kind sich bereits angesteckt hat.

Windpocken

Die Windpocken sind eine häufig auftretende und hoch ansteckende Infektionskrankheit, die Kinder und Erwachsene in jedem Lebensalter betreffen kann. Der Erreger (Varizella-Zoster-Virus) kann neben den Windpocken außerdem die Erkrankung Gürtelrose (Herpes-Zoster) auslösen.

Nach einer Inkubationszeit von etwa zwei Wochen zeigt sich eine Windpockeninfektion vor allem durch den typischen Hautausschlag mit vielen gefüllten Bläschen auf der Haut. Zu den weiteren Symptomen gehören Juckreiz, Fieber (meist bis 39° C), Kopf- und Gliederschmerzen sowie Unwohlsein.

Der Ausschlag beginnt fast immer im Gesicht und am Oberkörper und breitet sich anschließend über den gesamten Körper aus. Auch Schleimhäute und Kopfhaut können betroffen sein. Obwohl die Bläschen stark jucken, sollte man nicht kratzen, um weitere Infektionen (z. B. entzündete Hautstellen) und Narben zu vermeiden.

Eine sogenannte Superinfektion mit Bakterien gehört zu den häufigsten Komplikationen bei einer Windpocken-Erkrankung. Auch Lungenentzündungen können im Zusammenhang mit der Krankheit auftreten. Das Risiko ist für Erwachsene dabei deutlich höher als für Kinder.

Seltene Komplikationen sind Erkrankungen des Zentralen Nervensystems, des Gehirns (z. B. Hirnhautentzündung) und des Herzens (z. B. Herzmuskelentzündung). Spätestens hier wird deutlich, dass sich aus einer als harmlos geltenden Kinderkrankheit schnell ein lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln kann.

Weil es sich bei dem Erreger um ein Virus handelt, ist eine Therapie mit Antibiotika nicht möglich. Nur im Falle einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien sind Antibiotika eine sinnvolle Ergänzung. Die Behandlung von Windpocken beschränkt sich deswegen auf die auftretenden Symptome.

Schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente lässt man sich hier vom Kinderarzt empfehlen. Auch eine spezielle Hautpflege zur Stillung des starken Juckreizes (z. B. Puder oder Lotionen) kann bei Bedarf vom Kinderarzt verordnet werden.

Viele von Windpocken betroffene Kinder fühlen sich nicht sehr krank, sodass Bettruhe in der Regel nicht notwendig ist.[1] Die Fingernägel sollte zum Schutz der Haut kurz geschnitten und sauber gehalten werden. Häufiges Händewaschen schützt weiterhin vor Entzündungen, wenn das Kind die Bläschen aufkratzt.

Wer sich mit Windpocken infiziert, ist etwa 10 Tage lang ansteckend. Kinder müssen in dieser Zeit zuhause bleiben, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

  • Erreger: Varizella-Zoster-Virus (Herpes-Virus)[2]
  • Übertragungsart: Direkter Kontakt, Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion
  • Inkubationszeit: 14 – 16 Tage
  • Wie lange ansteckend: 1-2 Tage vor bis 5-7 Tage nach dem Auftreten des Ausschlages
  • Ansteckungswahrscheinlichkeit: Sehr hoch (90 von 100 infizieren sich)
  • Schutzimpfung: Dringend empfohlen
  • Meldepflicht: Ja, innerhalb der ersten 24 Stunden

Masern

Die Masern sind eine Viruserkrankung, die weltweit verbreitet ist. In Deutschland ging die Häufigkeit durch Einführung der Impfung in den 1960er Jahren zunächst zurück, stieg dann im Jahr 2017 jedoch wieder deutlich an. Seit dem 01.03.2020 besteht in Deutschland eine Impfpflicht für alle Kinder, die eine Betreuungseinrichtung, einen Kindergarten oder eine Schule besuchen.[3]

Die Symptome entwickeln sich bei vielen Infizierten in zwei Phasen. Zuerst treten Bindehautentzündung, Fieber, Schnupfen, Husten und eine Veränderung an der Mundschleimhaut auf. An den typischen weiß-roten Flecken an der Innenseite der Wangen lassen sich Masern damit schon sehr früh erkennen.

Etwa drei bis sieben Tage später kommen weitere Symptome hinzu. Zu ihnen gehören vor allem der Masern-Ausschlag, der sich durch rosafarbene bis bräunliche Flecken zuerst im Gesicht und hinter den Ohren zeigt. Innerhalb kurzer Zeit breitet sich der Ausschlag über den gesamten Körper aus.

Die Flecken klingen nach etwa 7 Tagen wieder ab und hinterlassen in vielen Fällen schuppige Hautstellen zurück. Im Anschluss an die Erkrankung ist das Immunsystem deutlich geschwächt, sodass für mindestens sechs weitere Wochen ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht.

Als Komplikation treten hier vor allem Bronchitis, Lungenentzündung, Durchfallerkrankungen und Mittelohrentzündungen auf. Auch schwere Komplikationen wie die Entzündung von Gehirn und Hirnhaut sind möglich.

Zu den Spätfolgen gehören ebenfalls Hirnschäden, die auch Jahre nach der Maserninfektion auftreten können und häufig zum Tod führen. Die Sterblichkeit der Masern beziffert das Robert-Koch-Institut mit etwa 0,05% und 0,1%.[4]

Auch wenn Masern im Volksmund als harmlose Kinderkrankheit bezeichnet wird, können bei schweren Verläufen Komplikationen auftreten, die das Leben des Kindes bedrohen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich deswegen zum Ziel gesetzt, die Masern durch eine hohe Durchimpfrate vollständig auszurotten. [5] Die Impfung gegen Masern erfolgt zusammen mit der Impfung gegen Mumps und Röteln mit dem sogenannten MMR-Impfstoff. Mehr Informationen zum Thema Impfungen haben wir in einem anderen Artikel zusammengefasst.

  • Erreger: Masernvirus (RNA-Virus)[6]
  • Übertragungsart: Direkter Kontakt, Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion
  • Inkubationszeit: 13 – 14 Tage
  • Wie lange ansteckend: 3-5 Tage vor bis etwa 4 Tage nach dem Auftreten des Ausschlages
  • Ansteckungswahrscheinlichkeit: Extrem hoch (fast 100% bei Ungeschützten[7])
  • Schutzimpfung: Dringend empfohlen
  • Meldepflicht: Ja, innerhalb der ersten 24 Stunden

Röteln

Röteln sind deutlich weniger ansteckend als Masern und etwa die Hälfte aller Infizierten bilden keine Symptome aus.[8] Der typische Masernausschlag beginnt wie bei vielen anderen Kinderkrankheiten mit Ausschlägen hinter den Ohren und im Gesicht und breitet sich von dort über den ganzen Körper aus. Die Flecken sind vergleichsweise klein und werden häufig von geschwollenen Lymphknoten begleitet.

Zudem haben betroffene Kinder häufig Kopfschmerzen, Fieber, Bindehautentzündung und Husten. Die Erkrankung verläuft häufig relativ mild. Der Ausschlag hält etwa 1 – 3 Tage an.

Komplikationen treten bei den Röteln selten auf und sind ähnlich wie die von Masern und Windpocken: Bronchitis und Lungenentzündung, Mittelohrentzündung, Herzmuskelentzündung und Gehirnentzündungen.

Die Impfung gegen Röteln wird trotz des vergleichsweise milden Krankheitsverlaufes dringend empfohlen, weil eine Infektion in der Schwangerschaft mit einem hohen Risiko für Fehlbildungen einhergeht. Auch Schäden am Herzen und dem Nervensystem des Embryos können vorkommen.

Die Impfung wird von der Ständigen Impfkommission für alle Kleinkinder im Rahmen der MMR-Impfung empfohlen. Insbesondere Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter sollten aufgrund des hohen Risikos in der Schwangerschaft über eine Immunisierung gegen Röteln verfügen.

Eine ursächliche Behandlung gegen die Röteln gibt es nicht. Je nach Ausprägung und Schweregrad der Erkrankung erfolgt nur eine symptomatische Behandlung durch den Kinderarzt. Weil die meisten Kinder jedoch nur wenige und keine Symptome zeigen und sich deswegen kaum krank fühlen, ist eine Behandlung in der Regel nicht nötig. Der Kinderarzt sollte bei einem Verdacht auf Röteln dennoch konsultiert werden, weil die Erkrankung seit März 2013 meldepflichtig ist.[9]

  • Erreger: Rötelnvirus (RNA-Virus)[10]
  • Übertragungsart: Direkter Kontakt, Tröpfcheninfektion
  • Inkubationszeit: 14 – 21 Tage
  • Wie lange ansteckend: 7 Tage vor bis 7 Tage nach dem Auftreten des Ausschlages
  • Ansteckungswahrscheinlichkeit: Moderat (15 – 20 % bei Ungeschützten)
  • Schutzimpfung: Dringend empfohlen (vor allem für Mädchen)
  • Meldepflicht: Ja

Ringelröteln

Ringelröteln gehören zu den eher selteneren Kinderkrankheiten und verursachen ebenfalls einen Hautausschlag. Der Verlauf ist häufig mild oder vollständig ohne Symptome. Eine Infektion mit Ringelröteln verursacht bei symptomatischem Verlauf einen typischen Hautausschlag, der im Gesicht beginnt.

Jedes fünfte Kind entwickelt dabei zunächst rote Hautstellen an den Wangen, die sich im Laufe der Erkrankung auf den Oberkörper, die Oberarme, die Oberschenkel und das Gesäß ausbreiten. Die Flecken können leicht erhaben sein und in selteneren Fällen Juckreiz verursachen.

Die Erkrankung beeinträchtigt das Befinden des Kindes nur wenig, sodass in der Regel keine Bettruhe eingehalten werden muss. Gelegentlich kommt es zu Symptomen wie bei einer leichten Erkältung (Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit).

Der Ausschlag kann sieben bis zehn Tage anhalten, bevor er wieder erblasst. Stress und Sonne sollten in den Folgetagen vermieden werden, weil diese und ähnliche Belastungen zu einem erneuten Aufflammen des Ausschlages führen können.[11]

In den meisten Fällen heilen die Ringelröteln ohne Probleme ab. In seltenen Fällen entwickeln vor allem Mädchen Entzündungen und/ oder Schmerzen kleinerer Gelenke.

Komplikationen sind sehr selten und kommen vor allem bei Personen vor, die unter eine Abwehrschwäche oder einem geschädigten Immunsystem leiden. Hier kann es zu einer bedrohlichen Blutarmut kommen. In der Schwangerschaft ist eine Infektion mit dem Virus ebenfalls problematisch.

Vor allem in ersten Schwangerschaftsdrittel ist das Risiko für eine Fehlgeburt erhöht. In den späteren Schwangerschaftsmonaten droht ebenfalls Blutarmut.[12]

Die Behandlung der Ringelröteln beschränkt sich auf die Symptome. Das Virus selbst wird vom körpereigenen Immunsystem bekämpft. Bei Fieber oder Schmerzen kann der Kinderarzt Medikamente verordnen.

Anders als bei den Röteln existiert gegen den Erreger der Ringelröteln kein Impfstoff. Weil die Erkrankung außerdem schon vor dem Auftreten des Ausschlages ansteckend ist, kann man zur Vorbeugung nur zu allgemeinen Hygienemaßnahmen (Atem-, Husten- und Nieshygiene sowie häufiges Händewaschen) raten.

  • Erreger: Parvovirus B19[13]
  • Übertragungsart: Direkter Kontakt, Tröpfcheninfektion
  • Inkubationszeit: 4 – 14 Tage
  • Wie lange ansteckend: mehrere Tage vor bis zum Auftreten des Ausschlages
  • Ansteckungswahrscheinlichkeit: Moderat
  • Schutzimpfung: nicht vorhanden
  • Meldepflicht: Nein

Mumps

Mumps ist weit weniger ansteckend als Masern, jedoch deutlich ansteckender als die Röteln. Die Ansteckungsrate bei Ungeschützten ist mit 60% relativ hoch. Weil das Mumpsvirus vor allem die Ohrspeicheldrüse befällt, ist der Speichel von Betroffenen besonders infektiös.

Der Verlauf einer Mumpsinfektion ist meistens relativ unproblematisch und kann in vielen Fällen einer Erkältung ähneln. Ungefähr 50% aller Betroffenen entwickeln gar kein Krankheitsgefühl, können den Erreger jedoch trotzdem weiterverbreiten.

Zu Beginn zeigt sich Mumps durch typische Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber. Besonders typisch ist außerdem die Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. Meistens sind beide Seiten betroffen.

Diese Schwellung führt zu einer deutlich sichtbaren Veränderung des Gesichtes mit geschwollenem Wangen- und Kieferbereich und abstehenden Ohrläppchen. Die Schwellung ist meistens schmerzhaft und verursacht Schwierigkeiten beim Kauen.

Seltener sind auch andere Speicheldrüsen des Körpers betroffen. Etwa 4% der Erkrankten entwickeln zudem eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis).[14]

Weitere mögliche Komplikationen sind eine Beteiligung des Zentralen Nervensystems einschließlich des Gehirns sowie Taubheit, Arthritis, Nierenentzündungen, Blutarmut oder Herzmuskelentzündung.[15]

Anders als bei vielen anderen Kinderkrankheiten ist eine Infektion mit Mumps in der Schwangerschaft nicht mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburten verbunden. Es hält sich dennoch hartnäckig die Meinung, dass eine Mumpsinfektion im ersten Schwangerschaftsdrittel zu einer erhöhten Neigung von Fehlgeburten führen kann. Der hier zurate gezogene Literaturbericht aus den 1960er Jahren konnte jedoch bis heute nicht bestätigt werden.[16]

Genau wie bei den Röteln gilt deswegen auch bei Mumps: Die Erkrankung verläuft sehr häufig milde und komplikationslos. Die möglichen Risiken von weiteren und Spätfolgen sind zwar gering, jedoch so ausgeprägt, dass eine Impfung dringend angeraten ist.

Ist die Mutter gegen Mumps immun, ist eine Infektion des Babys in den ersten sechs Lebensmonaten so gut wie ausgeschlossen. Es ist durch die Antikörper geschützt, die es während der Schwangerschaft von der Mutter erhalten hat.[17]

Die Behandlung von Mumps beschränkt sich auf die Therapie von auftretenden Symptomen. Die Viruserkrankung kann nicht ursächlich behandelt werden. Zur Vorbeugung gibt es eine Schutzimpfung, die von der Ständigen Impfkommission empfohlen wird.

  • Erreger: Mumpsvirus
  • Übertragungsart: Direkter Kontakt, Tröpfcheninfektion
  • Inkubationszeit: 16 – 18 Tage
  • Wie lange ansteckend: 7 Tage vor bis 9 Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome
  • Ansteckungswahrscheinlichkeit: Hoch (60 % bei Ungeschützten[18])
  • Schutzimpfung: Dringend empfohlen
  • Meldepflicht: Ja

Scharlach

Eine Scharlach-Erkrankung zeigt sich allem voran durch die typische Veränderung an der Zunge. Die sogenannte Himbeerzunge ist dabei häufig mit einem weißen Belag überzogen.[19] Nach anfänglichem Fieber, Kopfschmerzen und einer Halsentzündung folgt nach mehreren Tagen außerdem ein Ausschlag der Haut.

Die Flecken sind dabei relativ klein und von intensiv roter Farbe. Viele Kinder entwickeln zusätzlich eine Rachen- oder Mandelentzündung (Scharlach-Angina). Weil der Erreger ein Bakterium ist, kann die Krankheit mit Antibiotika behandelt werden.

In diesen Fällen ist Scharlach bereits nach einem Tag nicht mehr ansteckend. Wer auf die antibiotische Behandlung verzichtet, kann die Krankheit mehrere Wochen lang übertragen.[20]

Der Krankheitsverlauf kann dabei sehr unterschiedlich sein. Einige Kinder haben nur leichte Symptome, andere fühlen sich mit hohem Fieber und starken Schmerzen sehr krank. Bei einem symptomlosen Verlauf sind mit Scharlach befallene Kinder kaum ansteckend.[21]

Weil Scharlach gerade im Anfangsstadium große Ähnlichkeit mit dem Kawasaki-Syndrom hat[22], sollte man schon beim Anfangsverdacht den Kinderarzt aufsuchen. Dieser wird bei gesicherter Diagnose ein Antibiotikum verschreiben.

Scharlach kann einige Spätfolgen und Komplikationen mit sich bringen, sodass eine Behandlung mit Antibiotika in den meisten Fällen als sinnvoll und notwendig betrachtet wird.

Zu den möglichen Komplikationen gehört unter anderem der fortschreitende Befall des Körpers mit dem Erreger (Streptokokken). Das Bakterium kann rheumatisches Fieber und eine rheumatische Herzmuskelentzündung verursachen. Gelangt der Erreger in die Blutbahn, kann sich ein toxisches Schocksyndrom oder eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln.[23]

Schützen kann man sich vor Scharlach nur durch das Vermeiden von Kontakten zu Infizierten. Kinder sollten deswegen bei einer Infektion keinesfalls eine Betreuungsstätte besuchen.

Ein Impfstoff gegen Scharlach ist derzeit nicht vorhanden.

  • Erreger: Streptokokken (Bakterien)
  • Übertragungsart: Direkter Kontakt, Tröpfcheninfektion
  • Inkubationszeit: 1 – 3 Tage
  • Wie lange ansteckend: 3 Wochen oder länger / mit Antibiotika 1 Tag
  • Ansteckungswahrscheinlichkeit: Mäßig (10 – 30 %)[24]
  • Schutzimpfung: nicht vorhanden
  • Meldepflicht: Ja

Keuchhusten

Keuchhusten gehört wegen des mehrstufigen und langwierigen Verlaufes zu einer der am meisten gefürchteten Kinderkrankheiten. Die Krankheitsdauer beträgt nicht selten mehrere Wochen bis Monate. Außerdem kann Keuchhusten schwere Komplikationen mit sich bringen.

Vor allem für Säuglinge kann Keuchhusten lebensgefährlich werden. Bis zu einem Lebensalter von sechs Monaten haben Babys damit das höchste Risiko eines schwerwiegenden Verlaufes. Hier wird häufig ein stationärer Krankenhausaufenthalt notwendig, um Atemstillstände frühzeitig erkennen zu können.[25]

Eine Keuchhustenerkrankung zu erkennen ist nicht immer ganz leicht. Die Krankheit verläuft in drei Phasen und ähnelt vor allem im Anfangsstadium einer harmlosen Erkältung. Dabei zeigen Säuglinge häufiger als andere Altersgruppen einen atypischen Verlauf, der die Diagnose zusätzlich erschwert.

Im Anfangsstadium zeigt sich Keuchhusten durch leichten Husten und Schnupfen. Leichtes Fieber kann in einigen Fällen dazukommen. Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen lassen hier zuerst an eine Erkältung denken.

Die erste Phase dauert etwa 1 – 2 Wochen an. Im Anschluss entwickeln Infizierte die typischen Keuchhustensymptome. Namensgebend sind die anfallsartigen Hustenattacken, die von einem Keuchen und Atemnot begleitet sein können. Viele Betroffene leiden zusätzlich an Erbrechen im Anschluss an die Hustenattacke. Auch in der zweiten Phase haben die meisten Erkrankten kein Fieber.

Der atypische Verlauf bei Säuglingen macht sich vor allem durch die geringere Intensität der Hustenattacken bemerkbar. Babys im Alter von bis zu sechs Monate entwickeln stattdessen häufiger einen Atemstillstand, der unbehandelt zum Tode führen kann. Die Sterblichkeit beträgt etwa 0,2 %.[26]

Das zweite Stadium des Keuchhustens kann sich etwa vier bis sechs Wochen hinziehen. Erkrankte sind bis etwa zur Mitte dieser Phase ansteckend und können den Erreger auf ihre Mitmenschen übertragen.

Bis zur vollständigen Heilung der Erkrankung können in der dritten Phase weitere sechs bis zehn Wochen vergehen. Damit ist Keuchhusten eine der langwierigsten Kinderkrankheiten.

Zu den häufigsten Komplikationen des Keuchhustens gehören neben den bereits erwähnten Atemstillständen bei Säuglingen Lungenentzündung, Mittelohrentzündung, Krampfanfälle und Gehirnerkrankungen.

Gegen Keuchhusten existiert ein Impfstoff, mit dessen Grundimmunisierung im zweiten Lebensmonat begonnen wird. Weil Babys von der Mutter während der Schwangerschaft keine Antikörper erhalten und deswegen kein Nestschutz besteht[27], können sie nur durch ausreichende Herdenimmunität vor der Krankheit geschützt werden.

Behandelt wird Keuchhusten primär mit Antibiotika, die gegen das Bakterium gut wirksam sind. Zusätzlich kann der Kinderarzt je nach Ausprägung und Art der Symptome weitere Maßnahmen ergreifen (z. B. Schmerzmittel).

  • Erreger: Bordetella pertussis (Bakterien)
  • Übertragungsart: Direkter Kontakt, Tröpfcheninfektion
  • Inkubationszeit: 9 – 10 Tage
  • Wie lange ansteckend: 5 Wochen oder länger
  • Ansteckungswahrscheinlichkeit: Sehr hoch (90 % bei Ungeschützten[28])
  • Schutzimpfung: Dringend empfohlen
  • Meldepflicht: Ja

Dreitagefieber

Das Dreitagefieber verdankt seinen Namen dem typischen Krankheitsverlauf: Etwa fünf bis fünfzehn Tage nach der Infektion mit dem Virus entwickeln infizierte Kinder ganz plötzlich sehr hohes Fieber. Dieses hält etwa drei bis fünf Tage an (daher der Name) und fällt dann abrupt ab.

Mit dem Sinken des Fiebers entwickelt sich ein kleinfleckiger Hautausschlag, der überwiegend Rücken, Brust und Bauch befällt. Die Flecken jucken in der Regel nicht und verschwinden innerhalb von wenigen Stunden bis zu drei Tagen ohne Behandlung von selbst.

Nicht immer verursacht die Krankheit auch Symptome. Ansteckend sind infizierte Kinder trotzdem. Weil das Virus leicht übertragbar und infektiös ist, durchlaufen fast alle Kinder bis zu ihrem dritten Lebensjahr das Dreitagefieber.[29]

Gelegentlich geht das Dreitagefieber mit einer Halsentzündung oder Husten einher. Seltener treten außerdem Durchfall und Erbrechen auf. Trotz des hohen Fiebers beeinträchtigt die Erkrankung das Allgemeinbefinden jedoch nicht so stark wie es bei vielen anderen Kinderkrankheiten der Fall ist.

Zu den häufigsten Komplikationen gehören Fieberkrämpfe. Diese treten beim Dreitagefieber häufiger auf als bei anderen fieberhaften Infektionen.[30] Für die Eltern sieht ein Fieberkrampf sehr bedrohlich aus. Er kann mehrere Minuten anhalten und löst sich in den meisten Fällen von selbst.[31] Etwa 10% aller Kinder mit Dreitagefieber entwickeln mindestens einmal einen Fieberkrampf.[32]

In jedem Fall sollte nach einem Fieberkrampf der Kinderarzt informiert werden, um weitere Erkrankungen auszuschließen. Dies gilt insbesondere für Kinder im Säuglingsalter. Gelegentlich muss der Fieberkrampf mit Medikamenten gelöst werden. Tritt länger andauernde Bewusstlosigkeit oder ein Atemstillstand auf, muss der Rettungsdienst alarmiert werden.

Eine ursächliche Behandlung des Dreitagefiebers ist nicht möglich, weil der Auslöser ein Virus ist. Durch das hohe Fieber erleiden vor allem sehr kleine Kinder und Säuglinge schnell einen Flüssigkeitsverlust, der in jedem Fall ausgeglichen werden muss. Verweigert das Kind die Aufnahme von Nahrung oder Flüssigkeit, muss auf jeden Fall der Kinderarzt zurate gezogen werden, damit der kleine Körper nicht dehydriert.

Zur weiteren Behandlung gehören ggf. Medikamente, um das Fieber zu senken. Auch gegen weitere Krankheitszeichen wie Übelkeit, Erbrechen und Halsschmerzen kann der Kinderarzt Medikamente verordnen.

Eine Impfung gegen das Virus ist nicht verfügbar. Eine durchgemachte Infektion führt in sehr vielen Fällen zu lebenslanger Immunität.[33]

  • Erreger: Humanes Herpesvirus (HHV-6, HHV-7[34])
  • Übertragungsart: Direkter Kontakt, Tröpfcheninfektion
  • Inkubationszeit: 5 – 15 Tage
  • Wie lange ansteckend: 3 – 4 Tage vor bis zum ersten Tag nach Auftreten des Ausschlages
  • Ansteckungswahrscheinlichkeit: Sehr hoch
  • Schutzimpfung: nicht vorhanden
  • Meldepflicht: Nein

Kopfläuse

Ein Befall mit Kopfläusen gehört für viele Eltern zu einem absoluten Horrorszenario. Auch wenn die Parasiten außer Juckreiz kaum spürbare Beeinträchtigungen verursachen, ist ein Befall vor allem für Kinder, die eine Betreuungseinrichtung besuchen, sehr problematisch. Ein Besuch von Kita, Kindergarten oder Schule ist bei einem Befall mit Kopfläusen nämlich absolut tabu.

Übertragen wird die Kopflaus vor allem über engen Kontakt mit einer befallenen Person. Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Jungs. Dies ist weniger der Haarlänge zuzuschreiben, als mehr ihrem Verhalten beim Spielen.

Mädchen neigen zu engerem Körperkontakt und übertragen den Parasiten so deutlich einfacher als Jungs.[35] Insgesamt ist die Kopflaus bei der Wahl ihres Wirtes nicht wählerisch und befällt Kinder, Jugendliche und Erwachsene aller Altersklassen.

Anders als häufig angenommen, ist eine Übertragung der Kopfläuse über Handtücher, Kuscheltiere oder Bettwäsche weit weniger wahrscheinlich als das direkte Zusammenstecken der Köpfe.[36] Die Parasiten verlassen ihren Lebensraum nur ungern und werden deswegen in fast allen Fällen ausschließlich von Wirt zu Wirt übertragen. Eine indirekte Übertragung über gemeinsam genutzte Gegenstände (z. B. Haarbürsten, Fahrradhelme) ist jedoch möglich.

Ein häufiges Vorurteil ist außerdem, dass Kopfläuse mit mangelnder Hygiene und Unsauberkeit zusammenhängen. Fakt ist, dass sich Kopfläuse mit gewöhnlichen Haarwaschmitteln nicht abtöten oder entfernen lassen, sodass zwischen Haarpflege und Befall kein Zusammenhang besteht.[37]

Weil Kopfläuse sich von Blut ernähren, kommt es bei einem Befall zu regelmäßigem Saugen durch die Parasiten. Dabei entstehen rote Stellen, die stark jucken können. Durch Kratzen erhöht sich dabei das Risiko für entzündete Hautstellen und bakterielle Hautinfektionen.

Zur Therapie hat sich eine Behandlung mit speziellen Läuseshampoos etabliert. Weil mehrere Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen erhältlich sind, lässt man sich am besten vom Kinderarzt oder Apotheker beraten. Die Behandlung muss in jedem Fall mind. einmal wiederholt werden, weil ungeschlüpfte Larven mit einer einmaligen Behandlung nicht sicher abgetötet werden können.

Unterstützend kann mit dem sogenannten nassen Auskämmen der Befall deutlich reduziert oder sogar gänzlich beseitigt werden. Dazu benötigt man einen stabilen, festen Kamm mit einem Zinkenabstand von weniger als 0,3 mm, Wasser und eine Haarpflegespülung.

Die Haare werden mit einer Mischung aus Haarspülung und Wasser befeuchtet und anschließend Strähne für Strähne ausgekämmt. Auch diese Behandlung muss mehrmals wiederholt werden, um ein nachhaltiges Ergebnis zu erzielen.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Behandlung mit einem Läuseshampoo am ersten Tag und ein anschließendes nasses Auskämmen am fünften Tag des Befalls. Um nachgeschlüpfte Läuse abzutöten, sollte die Behandlung mit dem Spezialshampoo am 8.-10. Tag wiederholt werden. Am 13. und am 17. Tag sollte mit der Methode des nassen Auskämmens nochmals überprüft werden, ob der Befall beseitigt wurde.

Eltern von betroffenen Kindern sind gesetzlich verpflichtet, Gemeinschaftseinrichtungen über den Läusebefall zu informieren, wenn das Kind eine Kita, einen Kindergarten oder die Schule besucht.[38] Die Leitung der Gemeinschaftseinrichtung ist daraufhin verpflichtet, den Befall an das Gesundheitsamt zu melden.[39]

Die Beseitigung von Kopfläusen kann zu einer zeitraubenden und nervenaufreibenden Geduldsprobe werden, weil die gesamte Behandlung rund drei Wochen Zeit beansprucht. Dazu kommt, dass der Kinderarzt die benötigten Mittel empfehlen oder verschreiben kann, die Anwendung jedoch den Eltern obliegt.

Wichtig ist, dass man sich hier genau an die Anweisungen der jeweiligen Hersteller hält, damit die eingesetzten Maßnahmen ihre volle Wirksamkeit entfalten können. Um einer großflächigen Ausbreitung in Gemeinschaftseinrichtungen vorzubeugen, müssen Eltern hier transparente Informationen weitergeben und an einem Strang ziehen, um ständige Neuinfektionen verhindern zu können.

  • Erreger: Kopflaus
  • Übertragungsart: Direkter Kontakt
  • Inkubationszeit:
  • Wie lange ansteckend: Bei aktivem Befall
  • Ansteckungswahrscheinlichkeit: Hoch bei engem Kopf-zu-Kopf-Kontakt
  • Schutzimpfung: nicht vorhanden
  • Meldepflicht: Ja

Wichtiger Hinweis und Disclaimer:

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen und wurden sorgfältig recherchiert und mit fundierten Quellenangaben belegt. Die bereitgestellten Informationen erfolgen so objektiv wie möglich und sind – so weit möglich – frei von Wertung und Empfehlung.

Für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit wird jedoch keine Garantie gegeben. Dieser Artikel dient nicht der Eigendiagnostik oder der medizinischen Beratung, sondern hat rein informativen Charakter. Er kann und soll die Beratung durch einen Arzt oder eine Hebamme nicht ersetzen.

[1]https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/windpocken-varizellen/therapie/

[2]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html#doc2374554bodyText5

[3]https://www.bundesgesundheitsministerium.de/impfpflicht.html

[4]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html

[5]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Praevention/elimination_04.html

[6]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html

[7]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html#doc2374536bodyText5

[8]https://www.amboss.com/de/wissen/R%C3%B6teln

[9]https://www.aerzteblatt.de/archiv/138063/Neue-Meldepflichten-Was-Aerzte-beachten-sollten

[10]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Roeteln.html

[11]https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/ringelroeteln.html#c1042

[12]https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2011/daz-16-2011/klassische-kinderkrankheiten

[13]https://www.amboss.com/de/wissen/Ringelr%C3%B6teln

[14]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2013/Ausgaben/13_13.pdf?__blob=publicationFile

[15]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2013/Ausgaben/13_13.pdf?__blob=publicationFile

[16]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Mumps.html

[17]https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/mumps-parotitis-epidemica/uebertragung/

[18]https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/mumps-parotitis-epidemica/uebertragung/

[19]https://www.amboss.com/de/wissen/Scharlach

[20]https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/scharlach/?tx_dotdownload_pi1%255BiFileUid%255D=2089%26tx_dotdownload_pi1%255Baction%255D=download%26tx_dotdownload_pi1%255Bcontroller%255D=Download

[21]https://www.amboss.com/de/wissen/Scharlach

[22]https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/kawasaki-syndrom-zeigt-aehnliche-krankheitszeichen-wie-scharlach/

[23]https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/scharlach/moegliche-komplikationen.html

[24]https://www.nta-isny.de/fileadmin/user_upload/Vortrag_Z%C3%BCndorf.pdf

[25]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Pertussis.html

[26]https://www.gelbe-liste.de/reisekrankheiten/keuchhusten

[27]https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/keuchhusten-pertussis/uebertragung/

[28]https://www.nta-isny.de/fileadmin/user_upload/Vortrag_Z%C3%BCndorf.pdf

[29]https://www.amboss.com/de/wissen/Exanthema_subitum

[30]https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/drei-tage-fieber

[31]https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/drei-tage-fieber

[32]https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Dreitagefieber

[33]https://www.mkk.de/media/resources/pdf/mkk_de_1/buergerservice_1/lebenslagen_1/gesundheit_1/53_gesundheitsamt_1/hyg/merkblatt_buerger_infektionskrankheit/Merkblatt_Dreitage_Fieber.pdf

[34]https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-412006/harmlose-infektionen-mit-herpesviren/

[35]https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/kopflaeuse/ursachen/

[36]http://www.pediculosis-gesellschaft.de/html/haufige_fragen.html#reinigung

[37] https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Kopflausbefall.html

[38]https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__34.html

[39]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Kopflausbefall.html

 

Bildquellen

Illustrationen: Natalya Zelenina