Impfungen fürs Baby – Diese Impfungen braucht das Baby wirklich

Neben den Vorsorgeuntersuchungen sind die Impfungen fürs Baby ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsfürsorge. Eltern müssen dabei schon ziemlich früh entscheiden, ob und wie sie ihre Kinder impfen lassen.

Wir geben in diesem Artikel einen Überblick über alle Standardimpfungen, die die Ständige Impfkommission (STIKO) für Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder bis zum zweiten Lebensjahr empfiehlt. Alle empfohlenen Impfungen gelten als sehr gut erforscht, sicher und hochwirksam.

Wer sich dennoch Sorgen wegen einer oder mehrerer Impfungen macht, sollte dies immer mit der Hebamme oder dem behandelnden Kinderarzt besprechen. Nur ausgebildetes, medizinisches Fachpersonal ist in der Lage dazu, eine individuell für jedes Baby sinnvolle Entscheidung zum Thema Impfungen mitzutragen.

Gegen diese Krankheiten und Erreger sollte das Baby geimpft werden

Schutzimpfungen fürs Baby sind bereits bei der Vorsorgeuntersuchung U2 das erste Mal ein wichtiger Teil der Beratung und Gesundheitsfürsorge. Die erste Impfung des Babys steht nämlich im Alter von 6 Wochen auf dem Plan.

Die große Anzahl an verschiedenen Erkrankungen, gegen die das Baby geimpft werden soll, verunsichert viele Eltern. Bis zu einem Lebensalter von zwei Jahren wird das Baby idealerweise gegen 13 verschiedene Erkrankungen immunisiert und erhält dabei an insgesamt 6-7 verschiedenen Terminen eine Grundimmunisierung und/ oder Auffrischungsimpfung.

Für viele Erregertypen stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, sodass nicht für jede Impfung eine Spritze gegeben werden muss. Weil zwischen der Gabe einzelner Wirkstoffe eine bestimmte Zeitspanne liegen sollte, müssen gerade bei Kombinationsimpfstoffen die Herstellerangaben genau beachtet werden.

Dies ist selbstverständlich die Aufgabe des Kinderarztes. Die Eltern können ihn jedoch dabei unterstützen, indem sie das Impfbuch sorgfältig führen und bei jeder Schutzimpfung zur Eintragung vorlegen.

Die Impftermine und eine entsprechende Beratung erhalten Eltern immer wieder bei den Vorsorgeuntersuchungen. Zusätzlich können sie sich jederzeit bei ihrem Kinderarzt über die Impfungen beraten lassen.

Rotaviren

Die Grundimmunisierung gegen Rotaviren ist die allererste Impfung, die der Säugling erhält. Im Alter von 6 Wochen erfolgt die erste Grundimmunisierung. In Abhängigkeit vom verwendeten Impfstoff muss die Impfung drei bis vier Mal wiederholt werden, um ihre volle Schutzwirkung entfalten zu können.

Der Lebendimpfstoff wird als Schluckimpfung verabreicht, sodass das Baby keine Spritze für die Impfung erhalten muss. Rotaviren können schwere Magen-Darm-Infekte (Gastroenteritis) verursachen, die gerade bei Säuglingen einen schwerwiegenden Verlauf nehmen können.[1]

Die Erkrankung ist hoch ansteckend und meldepflichtig. Säuglinge und Kleinkinder stecken sich dabei besonders schnell an. Im Jahr 2013 wurde die Immunisierung gegen Rotaviren von der Ständigen Impfkommission in den Kreis der Standardimpfungen für Säuglinge aufgenommen.[2]

Tetanus

Tetanus, auch Wundstarrkrampf, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die über offene Wunden in den Körper gelangt. Die Erkrankung verläuft selbst bei medizinischer Behandlung häufig tödlich.[3]

Für Kinder ist die Impfung gegen Tetanus ein absolutes Muss. Selbst kleinere Verletzungen wie Schürfwunden oder ein aufgeschlagenes Knie beim Fahrradfahren öffnen dem Bakterium Clostridium tetani Tür und Tor in den kindlichen Organismus.

Babys werden deswegen schon im Alter von zwei Monaten mit der ersten Grundimmunisierung ausgestattet. Die von diesem Erreger ausgelöste Erkrankung ist so gefährlich, dass der Impfschutz selbst für Erwachsene dringend empfohlen wird und alle 10 Jahre aufgefrischt werden sollte.

Die Grundimmunisierung gegen Tetanus erfolgt als sogenannte 6-fach-Impfung zusammen mit Diphtherie, Keuchhusten, Hib, Kinderlähmung und Hepatitis B. Gegen diese sechs Erkrankungen kann also mit einem Kombinationswirkstoff ein Impfschutz gegen sechs verschiedene Erkrankungen aufgebaut werden.

Alternativ stehen auch Impfstoffe zur Verfügung, die beispielsweise ohne Hepatitis B oder Hib eingesetzt werden können.[4] Die Immunisierung muss mehrmals wiederholt werden, damit ein ausreichender Schutz gewährleistet ist.

Diphtherie

Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Der Erreger befällt dabei vor allem die oberen Atemwege. Das Bakterium kann außerdem über Wunden in den Körper eintreten und eine Hautdiphtherie auslösen.

Neben einer Rachenentzündung drohen infizierten Personen außerdem schwere Komplikationen, die das Herz, die Niere, das Nervensystem oder die Leber betreffen können. Weil die Erkrankung vor allem Babys und Kleinkinder befällt, empfiehlt die Ständige Impfkommission eine flächendeckende Impfung ab einem Lebensalter von zwei Monaten.

Der Diphtherie-Impfstoff gilt als besonders gut erforscht und befindet sich auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation WHO.[5]

Für einen vollständigen Schutz gegen Diphtherie sind vier Grundimmunisierungen erforderlich. Im Schulalter erhalten Kinder dann zwei weitere Auffrischungsimpfungen. Genau wie bei Tetanus sollten auch Erwachsene alle 5 – 10 Jahre gegen Diphtherie geimpft werden, um den Schutz aufrechtzuerhalten.[6]

Keuchhusten

Genau wie Diphtherie wird Keuchhusten durch Bakterien übertragen und ist hoch ansteckend. Kinder stecken sich besonders leicht an und zeigen deutlich schwerere Verläufe als Erwachsene.

Für Neugeborene kann die Erkrankung schnell lebensbedrohlich werden. Weil Babys erst im Alter von zwei Monaten die erste Grundimmunisierung erhalten, können Neugeborene nur durch Herdenimmunität gegen Keuchhusten geschützt werden.

Eltern und Familienmitglieder sollten deswegen ihren eigenen Impfschutz gegen Keuchhusten überprüfen lassen, um eine Ansteckung des Neugeborenen zu verhindern. Schwangeren wird im dritten Trimenon eine Keuchhustenimpfung empfohlen.[7]

Die Impfung gegen Keuchhusten ist im 6-fach-Impfstoff enthalten, sodass auch hier vier Grundimmunisierungen zunächst einen vollen Schutz gegen die Krankheit aufbauen.

Im Alter von 5 – 6 und zwischen 9 und 17 Jahren erfolgen weitere Auffrischungsimpfungen. Nach einer durchgemachten Infektion besteht eine Immunität, die jedoch nicht lebenslang anhält. Auch Geimpfte müssen ihren Schutz alle 10 Jahre erneuern lassen.[8]

Hib

Mit der Abkürzung Hib wird das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b abgekürzt. Zu den häufigsten Infektionen, die der Erreger auslöst, gehören Hirnhautentzündung (Meningitis) und zahlreiche Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen.

Ursprünglich ließen sich diese Infektionen gut mit Antibiotika behandeln. Seit 1990 empfiehlt die Ständige Impfkommission jedoch die Impfung gegen den Erreger, weil viele Stämme des Bakteriums resistent gegen gängige Antibiosen sind und sich so nicht gut behandeln lassen.

Seit der Einführung in den Impfkalender der STIKO sind die Infektionen mit Hib so weit zurückgegangen, dass viele Eltern diese Infektionskrankheit gar nicht mehr kennen.[9]

Die Hib-Impfung ist Teil der Sechsfachimpfung und wird insgesamt 4 Mal durchgeführt. Anders als bei Tetanus oder Diphtherie ist eine Auffrischung ab dem fünften Lebensjahr nicht mehr nötig, weil Infektionen mit Hib nur bei Kleinkindern weit verbreitet sind.

Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Kinderlähmung wird durch das Polio-Virus ausgelöst und tritt vor allem im Kindesalter auf. Stand 2003 gilt Europa abgesehen von sehr wenigen Einzelfällen als poliofreie Zone. Die Impfung ist dennoch wichtig für die Herdenimmunität und hat neben dem Schutz vor der Infektion das Ziel, die Krankheit vollständig auszurotten.[10]

Der Impfstoff gilt als sehr sicher und gut erforscht. Impfungen gegen Polio werden seit den 1950er Jahren mit Erfolg eingesetzt und haben zu stark rückläufigen Zahlen bei den Neuinfektionen geführt.

Seit 1998 erfolgt in Deutschland die Immunisierung routinemäßig mit einem inaktivierten Impfstoff. Dieser enthält keine lebenden Bestandteile mehr und ist deswegen besonders gut verträglich. Nebenwirkungen beschränken sich in seltenen Fällen auf eine leichte Rötung der Einstichstelle.

Der Schutz gegen Polioviren wird im Rahmen der vier Grundimmunisierungen durchgeführt. Als Teil des 6-fach-Impfstoffes erfolgt die Impfung als Injektion in einen Muskel und hat vormalige Schluckimpfung mit dem Lebendimpfstoff so vollständig abgelöst.[11]

Hepatitis B

Auch die Impfung gegen Hepatitis B ist im 6-fachen Kombinations-Impfstoff enthalten. Die Grundimmunisierung erfolgt hier ebenfalls vier Mal bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres.

Eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus verursacht schwere Entzündungen der Leber und kann einige lebensverändernde Komplikationen wie beispielsweise eine Leberzirrhose oder einen bösartigen Tumor der Leber nach sich ziehen.

Hepatitis B gilt als Infektionskrankheit, die vor allem medizinisches Personal sowie Personen mit riskantem Lebensstil trifft. Säuglingen wird die Impfung dennoch seit 1995 von der STIKO empfohlen.

Obwohl die Gefahr für eine Ansteckung für Säuglinge und Kleinkinder sehr gering ist, begründet die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung damit, dass der Verlauf für Säuglinge und Kleinkinder besonders häufig chronisch werden kann. Während nur 10 % der Erwachsenen eine chronische Verlaufsform zeigen, sind es bei den Säuglingen und Kleinkindern bis zu 90 %.[12]

Die WHO empfiehlt seit 1993 die Impfung für Säuglinge außerdem, um die weltweit aktive, weit verbreitete Erkrankung zurückzudrängen.[13] Neugeborene werden dabei, anders als von der WHO gefordert, erst im Alter von zwei Monaten erstmals gegen Hepatitis B geimpft.

Unmittelbar nach der Geburt empfiehlt sich die Impfung jedoch bei allen Neugeborenen, deren Mütter unter Hepatitis B leiden. Ist eine Infektion wahrscheinlich oder zumindest möglich, sollte das Neugeborene ebenfalls direkt nach der Geburt eine Grundimmunisierung erhalten.

Nach erfolgter Durchführung der vier Impftermine zur Grundimmunisierung ist gegen Hepatitis B keine Auffrischungsimpfung mehr erforderlich. Im Erwachsenenalter wird eine weitere Impfung nur jenen Personen empfohlen, die Risikogruppen angehören oder die aus beruflichen Gründen dem Erreger häufiger ausgesetzt sind.

Pneumokokken

Im Jahr 2015 hat die STIKO ihre Empfehlungen für die Pneumokokken-Impfung für Säuglinge überarbeitet. Die Anzahl der Grundimmunisierungen wurde von vier auf drei reduziert. Nur Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche) erhalten weiterhin vier Impfdosen.[14]

Pneumokokken befallen vor allem Kinder bis zum zweiten Lebensjahr und verursachen Infektionen des Nasen-Rachen-Raums. Dabei entstehen unter anderem Lungen-, Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündungen.

Problematisch sind Pneumokokken jedoch darüber hinaus deswegen, weil sie sich in Körperflüssigkeiten wie Blut oder Hirnwasser ansiedeln können und schwere Infektionen des Blutes (Blutvergiftung) und des Gehirns (Hirnhautentzündung) verursachen.[15] Auch das Auge kann von Pneumokokken befallen werden (Hornhautentzündung).

Meningokokken

Für die Impfung gegen Meningokokken stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung. Weil der Erreger mit zahlreichen Untertypen in Erscheinung tritt, muss bei der Wahl des passenden Impfstoffes eine sogenannte Serogruppe gewählt werden.

Im Rahmen dieser Untergruppe bietet der gewählte Impfstoff dann einen sehr zuverlässigen Schutz. Säuglinge werden gegen Meningokokken der Serogruppe C immunisiert.

In einer aktualisierten Stellungnahme aus dem Jahr 2018 weist die STIKO darauf hin, dass Infektionen mit Meningokokken aus der Serogruppe B in Deutschland so selten sind, dass auf eine Empfehlung zur Standardimpfung von Säuglingen derzeit verzichtet werden kann.[16]

Gegen Meningokokken der Serogruppe C werden Säuglinge im zweiten Lebensjahr seit 2006 standardmäßig geimpft.[17] Genau wie Pneumokokken besiedeln Meningokokken den Nasen-Rachen-Raum und können schwere Infektionen verursachen.

Die Bakterien verursachen unter anderem schwere Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Blutvergiftungen (Sepsis). Die Erkrankungen können mit Antibiotika behandelt werden, verlaufen jedoch trotzdem häufig schwerwiegend und gehen nicht selten mit Komplikationen und Langzeitschäden (z. B. Erblindung, Lähmung, Krampfanfälle) einher. In etwa 5 – 16 % der Fälle verläuft eine Infektion mit Meningokokken tödlich.[18]

Masern

Die Masernimpfung ist jüngst wieder Gegenstand zahlreicher Diskussionen rund ums Impfen geworden. Während viele Eltern die Masern als harmlose Kinderkrankheit abtun, handelt es sich in Wirklichkeit um eine schwere Infektion mit hoch ansteckenden Viren.

In 10 % der Fälle verläuft die Infektion mit teils schweren Komplikationen. Eine typische Kinderkrankheit sind die Masern also nicht.[19] Auch Erwachsene können sich mit dem Erreger infizieren. Dass die Krankheit meldepflichtig im Sinne des Infektionsschutzgesetzes ist, unterstreicht einmal mehr, dass es sich hier nicht um eine harmlose Kinderkrankheit handelt.

Die rückläufige Bereitschaft zur Masernimpfung hat in den vergangenen Jahren zu einer immer größeren Ausbreitung der Erkrankung geführt. Galten die Masern einst als auf dem sicheren der Weg der Ausrottung, wurden im ersten Quartal 2017 mehr Infektionen vom Robert-Koch-Institut gemeldet, als im gesamten Vorjahr zusammen.[20]

Gegen Masern steht ein hochwirksamer Kombinationswirkstoff bereit, der gleichzeitig eine Immunisierung gegen Mumps, Röteln und wahlweise auch Windpocken ermöglicht. Ein Einzelimpfstoff steht ebenfalls zur Verfügung.

Mit zwei Impfungen (eine im ersten und eine im zweiten Lebensjahr) lässt sich so mit dem MMR- bzw. MMRV-Impfstoff ein zuverlässiger Schutz gegen Masern, Mumps, Röteln und ggf. Windpocken aufbauen.

Am 14.11.2019 wurde vom Bundestag eine bundesweit geltende eine Impfpflicht gegen Masern beschlossen. Geimpft werden müssen Kinder und Personen, die in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Krankenhäuser, Kindertagesstätten, Schulen usw.) beschäftigt sind. Die Impfpflicht trat am 01.03.2020 in Kraft und wird von § 20 Abs. 8 des Infektionsschutzgesetz gedeckt.[21]

Mumps

Wie bereits erwähnt, wird eine Immunisierung gegen Mumps mit dem MMR-Kombinations-Impfstoff durchgeführt. Bei zwei Impfterminen wird so eine Grundimmunisierung gegen das Mumpsvirus erzielt. Einzelimpfstoffe gegen Mumps werden in Deutschland derzeit nicht mehr produziert.[22]

Weil sich die Krankheit in den letzten Jahren zunehmend verbreitet hat, empfiehlt die STIKO die Mumps-Impfung im ersten und die Folgeimpfung im zweiten Lebensjahr. Auch Personen, die im Gesundheits- und Betreuungsbereich arbeiten, sollten sich gegen Mumps impfen lassen.

Die Infektionskrankheit befällt vor allem Kinder und gilt deswegen als klassische Kinderkrankheit. Viele Eltern vergessen dabei, dass eine Mumpsinfektion schwere Komplikationen wie Hirnhautentzündung (Meningitis) und Taubheit nach sich ziehen kann.

Weil mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen steigt, empfiehlt sich die Grundimmunisierung bereits im Kleinkindalter, um bei Infektionen im fortgeschrittenen Alter das Risiko für Komplikationen und Folgeschäden zu reduzieren.

Röteln

Durch das Rötelnvirus ausgelöst, handelt es sich bei dieser hochansteckenden Infektionskrankheit ebenfalls um eine klassische Kinderkrankheit. Eine durchgemachte Infektion verspricht lebenslangen Schutz (Immunität) gegen die Krankheit, sodass viele Eltern immer noch der Meinung sind, dass Kinder sich am besten schützen lassen, wenn sie die Krankheit durchgemacht haben.

90% aller Rötelninfektionen betreffen Kinder. Für Erwachsene kann die Infektion mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Komplikationen in Erscheinung treten. Insbesondere während der Schwangerschaft sind Rötelninfektionen hoch problematisch.

Weil eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft das Risiko für Fehlgeburten und Fehlbildungen stark erhöht[23], sollten vor allem Mädchen standardmäßig gegen Röteln geimpft werden. Eine Impfung während der Schwangerschaft ist nicht möglich. Frauen im gebärfähigen Alter sollten die Rötelnimpfung deswegen zwingend nachholen, wenn sie im Kindesalter nicht geimpft wurden.

Mit dem in Deutschland verfügbaren Kombinationswirkstoff lässt sich eine Rötelninfektion sicher verhindern. Bei der ersten Impfung wird dabei bereits mit 95%iger Wahrscheinlichkeit ein vollständiger Schutz aufgebaut. Zur Sicherheit erfolgt eine Wiederholung der Grundimmunisierung vor dem zweiten Geburtstag.

Windpocken

Seit dem Jahr 2006 empfiehlt die STIKO eine MMR-Impfung mit einer zusätzlichen Komponente zum Schutz gegen Windpocken. Der Vierfach-Impfstoff (MMRV) schützt gegen Masern, Röteln, Mumps und Windpocken und wird im ersten und im zweiten Lebensjahr gegeben.

Kinder, die im Kleinkindalter nur einmal geimpft wurden, können mit dem MMRV eine sichere Nachholimpfung erhalten.[24] Eine Windpockenimpfung wird deswegen schon im Kleinkindalter empfohlen, weil auch diese als harmlos geltende Kinderkrankheit schwere Komplikationen nach sich ziehen kann.

Neben einem erhöhten Risiko für Schwangere steigt mit einer durchgemachten Windpockeninfektion die Wahrscheinlichkeit, im späteren Leben an einer Gürtelrose zu erkranken.

Grund dafür ist, dass nach der Erkrankung Varicella-Zoster-Viren im Körper verbleiben und in Zeiten eines geschwächten Immunsystems die Erkrankung auslösen können.[25] Problematisch ist weiterhin, dass Personen mit einer Gürtelrose das Virus übertragen und so Ungeimpfte mit Windpocken anstecken können.[26]

Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMR- und MMRV-Impfstoffe) geraten immer wieder in die Kritik, Erkrankungen wie Autismus, Diabetes oder Allergien zu fördern oder auszulösen.

Auch wenn es dafür keinen wissenschaftlichen Beweis gibt, neigen einige Eltern immer noch dazu, ihre Kinder nicht impfen zu lassen und gehen stattdessen – meist unbewusst – das Risiko der schweren Komplikationen ein, die die vermeintlich harmlosen Kinderkrankheiten mit sich bringen können.

Zahlreiche Studien haben jedoch gezeigt, dass die MMRV-Impfung hoch wirksam ist und entscheidend zu einem Rückgang der vier Infektionskrankheiten beigetragen hat. Erst im Jahr 2019 bewies eine dänische Studie außerdem erneut, dass Impfungen das Risiko für Autismus nicht erhöhen.[27]

Unterschiede der verschiedenen Impfungen

Impfungen werden je nach Darreichungsform in verschiedenen Typen unterschieden. Je nachdem, ob es sich um die erste Impfung gegen einen Erreger überhaupt oder um eine Wiederholungsimpfung handelt, werden verschiedene Impfstoffe verwendet.

Lebend- und Totimpfung

Einige Impfstoffe enthalten lebende Bestandteile. Die Erreger werden für den Impfstoff im Labor so stark abgeschwächt, dass sie die jeweilige Erkrankung bei Gesunden nicht mehr auslösen können. Lebendimpfstoffe enthalten also eine geringe Menge an lebenden Bakterien oder Viren, die sich vermehren können, für den Impfling jedoch keine Gefahr darstellen.
Mit Lebendimpfstoffen wird gegen folgende Erkrankungen immunisiert

  • Mumps
  • Masern
  • Röteln
  • Windpocken
  • Rotaviren

Totimpfstoffe enthalten hingegen inaktivierte Formen des Erregers. Sie werden vom Körper deutlich schneller abgebaut, sodass mehrere Auffrischungsimpfungen erfolgen müssen, um eine vollständige Immunisierung erreichen zu können.

Mit Totimpfstoffen wird gegen folgende Erkrankungen immunisiert

  • Kinderlähmung (Polio)
  • Keuchhusten
  • Hepatitis B
  • Pneumokokken
  • Meningokokken
  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Hib

Grundimmunisierung

Säuglinge erhalten als erste Impfung gegen einen bestimmten Erreger eine sogenannte Grundimmunisierung. Sie legt den Grundstein für den späteren Impfschutz und muss – abhängig vom Erreger – mindestens einmal wiederholt werden.

Die Grundimmunisierung erfolgt idealerweise im Säuglings- bzw. Kleinkindalter. Die dafür vorgesehenen Impfstoffe sind auf die Bedürfnisse dieser Altersgruppe zugeschnitten.

Auffrischungsimpfung

Die Auffrischungsimpfung oder Booster-Impfung sorgt dafür, dass die im Säuglingsalter durchgeführte Grundimmunisierung lebenslang aufrechterhalten bleibt. Booster-Impfungen sind nur geeignet für Personen, die bereits eine Grundimmunisierung erhalten haben.

Weil Impfungen mit Totimpfstoffen keinen lebenslangen Schutz vor der jeweiligen Erkrankung bieten, wird die Auffrischung gegen alle Erkrankungen, gegen die mit Totimpfstoff geimpft wird, besonders empfohlen.

Im Gegensatz zur Grundimmunisierung enthalten Impfstoffe zur Auffrischung eine geringere Dosis. Diese ist ausreichend, um das Immunsystem an den Erreger zu erinnern und es anzuregen, ausreichend Antikörper gegen das Bakterium oder das Virus zu bilden.

Nachholimpfung

Kinder, die im Säuglingsalter gegen bestimmte Krankheiten keine Grundimmunisierung erhalten haben, erhalten eine sogenannte Nachholimpfung. Auch wenn der empfohlene Zeitpunkt für eine Auffrischungsimpfung verpasst wurde, kommt die Nachholimpfung zum Einsatz.

Die ständige Impfkommission gibt dabei zu bedenken, dass jede Impfung gegen jeden Erreger zählt und das unterbrochene Impfserien problemlos durch eine Nachholimpfung komplettiert werden können.[28]

Standardimpfung

Standardimpfungen sind alle jene Impfungen, gegen die die STIKO standardmäßig eine Immunisierung empfiehlt. Ihnen stehen weitere Impfungen gegenüber, die beispielsweise für Risikogruppen, Reisende oder Anhänger von bestimmten Berufsgruppen (z. B. medizinisches Personal) empfehlenswert oder sogar vorgeschrieben sind.

Zu den Standardimpfungen gehören alle oben genannten Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder.[29]

Über weitere Impfungen, die für den Säugling evtl. von Bedeutung sind, berät der Kinderarzt. Dies gilt insbesondere für die Grippe-Impfung, die derzeit von der STIKO nicht für Säuglinge als Standardimpfung empfohlen wird. Auch bei Reisen in Risikogebiete sind unter Umständen weitere Impfungen für das Baby empfehlenswert.

Empfohlene Impfungen nach Lebensalter

Damit Impfungen ihre volle Wirksamkeit entfalten können, sind zwischen den einzelnen Impfterminen zur Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfung bestimmte Zeiträume einzuhalten. Wann das Baby welche Impfung erhalten soll, legt die Ständige Impfkommission im sogenannten Impfkalender fest. Dieser enthält alle Zeiträume, in denen die Impfung idealerweise durchgeführt werden sollte.

Der Kinderarzt entscheidet letztendlich in Absprache mit den Eltern darüber, welche Impfungen das Baby erhalten soll. Die Masern-Impfung ist dabei verpflichtend; alle anderen Impfungen erfolgen auf freiwilliger Basis.

Um invasive Eingriffe wie z. B. Injektionen und Besuche beim Kinderarzt möglichst gering zu halten, können viele Impfungen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen erfolgen. Eine Beratung findet im Rahmen der U-Untersuchung ebenfalls regelmäßig statt, sodass Eltern hier Termine vereinbaren oder nachholen können. Ihre Sorgen und Ängste finden hier ebenfalls Raum.

Unmittelbar nach der Geburt

Neugeborene werden direkt nach der Geburt nur dann geimpft, wenn es medizinisch zwingend erforderlich ist. Besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass die Mutter eine Hepatitis B Infektion auf das Baby übertragen hat, erhält es innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt eine Impfung gegen das Virus.

6 Wochen

Die erste Impfung für den Säugling ist die Grundimmunisierung gegen Rotaviren. Sie findet 6 Wochen nach der Geburt statt.

2 Monaten

Mit einem 6-fach Impfstoff können Babys im Alter von zwei Monaten eine Grundimmunisierung gegen folgende Krankheiten erhalten:

  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Keuchhusten
  • Hib
  • Kinderlähmung (Polio)
  • Hepatitis B

Zusätzlich wird die erste Schutzimpfung gegen Pneumokokken empfohlen. Auch der Schutz gegen die Rotaviren wird im Alter von zwei Monaten aufgefrischt.

3 Monate

Weil Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hib und Hepatitis B mehrfach aufgefrischt werden müssen, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten, bekommt das Baby im Alter von drei Monaten einen weiteren Termin für die Auffrischungsimpfung.

Die dritte Impfung gegen Rotaviren ist ebenfalls im Alter von drei Monaten empfehlenswert, kann jedoch bei Bedarf wenige Wochen aufgeschoben werden.

4 Monate

Hat das Baby im Alter von drei Monaten bereits die dritte Schutzimpfung gegen Rotaviren erhalten, ist es gegen diesen Erreger nun vollständig geschützt. Andernfalls muss dieser Impftermin im Alter von 4 Monaten nachgeholt werden. Zusätzlich benötigt das Baby die dritte Impfung mit dem 6-fach-Impfstoff. Auch gegen Pneumokokken wird es zum zweiten Mal geimpft.

11-14 Monate

Die vierte Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hib und Hepatitis B erfolgt im Alter zwischen 11 und 14 Monaten. Der Schutz gegen Pneumokokken wird ebenfalls vervollständigt.

Zusätzlich wird eine Impfung gegen Meningokokken empfohlen, die gegen gefährliche Hirnhautentzündungen schützt.

Die Grundimmunisierung gegen die typischen Kinderkrankheiten wie Masern, Windpocken, Mumps und Röteln wird ebenfalls begonnen, wenn das Baby etwa ein Jahr alt ist.

15 – 23 Monate

Bevor das Baby zwei Jahre alt wird, stehen weitere Impfungen auf dem Programm. Der 6-fach-Impfschutz sollte spätestens jetzt vervollständigt werden. Die Schutzimpfung gegen Meningokokken wird ebenfalls aufgefrischt.

Gegen Masern, Mumps und Röteln erhält das Kleinkind ebenfalls eine Auffrischungsimpfung, die als 3-fach-Impfstoff zur Verfügung steht. Die zweite Grundimmunisierung gegen Windpocken ist ebenfalls in diesem Lebensalter fällig.

Wichtiger Hinweis und Disclaimer:

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen und wurden sorgfältig recherchiert und mit fundierten Quellenangaben belegt. Die bereitgestellten Informationen erfolgen so objektiv wie möglich und sind – so weit möglich – frei von Wertung und Empfehlung.

Für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit wird jedoch keine Garantie gegeben. Dieser Artikel dient nicht der Eigendiagnostik oder der medizinischen Beratung, sondern hat rein informativen Charakter. Er kann und soll die Beratung durch einen Arzt oder eine Hebamme nicht ersetzen.

Quellen

[1]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Rotaviren.html;jsessionid=65C1007C3FE5DFE6953DF0F748C0A006.internet062#doc2374564bodyText8

[2]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2013/Ausgaben/35_13.pdf?__blob=publicationFile

[3]https://www.netdoktor.de/krankheiten/tetanus/

[4]https://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-kinder-0-12-jahre/kombinationsimpfstoffe.html

[5]https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/93142/EML_18_eng.pdf;jsessionid=4477E5B12C8045CA587063848E495E67?sequence=1

[6]https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Diphtherie/FAQ-Liste_Diphtherie_Impfung.html

[7]https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Pertussis/FAQ-Liste_Pertussis_Impfen.html

[8]https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Pertussis/FAQ-Liste_Pertussis_Impfen.html

[9]https://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-kinder-0-12-jahre/hib-haemophilus-influenzae-b.html

[10]https://www.who.int/mediacentre/news/releases/2013/polio_six_year_plan_20130425/en/

[11]https://www.polio-initiative-europa.de/medien/Newsletter_Schlucki.pdf

[12]https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/HepatitisB/FAQ-Liste_HepB_Impfen.html

[13]https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77282/WHO-mahnt-zur-Hepatitis-B-Impfung-fuer-Neugeborene

[14]https://www.gelbe-liste.de/impfung/impfkalender

[15]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2006/Ausgabenlinks/31_06.pdf?__blob=publicationFile

[16]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/03_18.pdf?__blob=publicationFile

[17]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2012/Ausgaben/32_12.pdf?__blob=publicationFile

[18]https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-019-0485-9

[19]https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/kinder-und-jugendliche/masern—alles-andere-als-harmlos-2013274

[20]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/16/Art_03.html

[21]https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__20.html

[22]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2012/Ausgaben/31_12.pdf?__blob=publicationFile

[23]https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/roeteln.html

[24]https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2009/Ausgaben/33_09.pdf?__blob=publicationFile

[25]https://web.archive.org/web/20100323074152/http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/013-023.htm

[26]https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/windpocken-guertelrose.html#c4246

[27]https://www.spektrum.de/news/auch-in-daenemark-fuehrt-impfen-nicht-zu-autismus/1627908

[28]https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/AllgFr_AllgemeineFragen/FAQ11.html

[29]https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Aktuelles/Impfkalender.pdf?__blob=publicationFile

Bildquellen

Doctor does injection child vaccination baby © Depositphotos.com/evgenyataman

Bacteria Clostridium tetani or other clostridia © Depositphotos.com/katerynakon

Glass Medicine Vials with botox, hualuronic, collagen or flu Syringe (shallow DOF) © Depositphotos.com/jes2uphoto

International certificate of vaccination – Hepatitis B © Depositphotos.com/Zerbor

Sick cute girl is measuring the temperature © Depositphotos.com/natulrich

Sick little boy. Varicella virus or chickenpox bubble rash on child. © Depositphotos.com/kikovic

Doctor giving a child injection in arm © Depositphotos.com/MarinaSvetlova

International Certificate of Vaccination © Depositphotos.com/alexraths

A vaccination to a child © Depositphotos.com/choreograph