Schadstoffe im Kinderzimmer – So schützt man das Baby vor giftigen Inhaltsstoffen

Aktualisiert am: 07.12.2021

Gerade in den ersten Lebensmonaten verbringt das Baby sehr viel Zeit zuhause. Deswegen ist es besonders wichtig, dass die häusliche Umgebung frei von Schadstoffen ist.

Neben den offensichtlichen Belastungen wie Passivrauchen lauern Schadstoffe zum Beispiel in Kleidungsstücken oder Einrichtungsgegenständen. In diesem Artikel klären wir über mögliche Schadstoffquellen in den eigenen vier Wänden auf und geben Tipps, wie man schadstoffarme Produkte erkennen kann.

Schadstoffe in Textilien

Sowohl die persönliche Wäsche als auch alle Heimtextilien, mit denen Babys Zimmer ausgestattet sind, können mit Schadstoffen belastet sein. Insbesondere sogenannte Funktionswäsche wird nach ihrer Produktion mit einer Beschichtung versehen.

Textilien mit bestimmten Funktionen (z. B. knitterarm, schwer entflammbar, atmungsaktiv, antibakteriell) erhalten ihre speziellen Eigenschaften durch die Behandlung mit verschiedenen Chemikalien. Vor dem Einsatz solcher Wäsche sollte deswegen abgewogen werden, ob die angebotene Funktion tatsächlich in Babys Alltag benötigt wird.

Besondere Aufmerksamkeit ist bei der Wahl von Matratzen, Babydecken, Schlafsack und Bettwäsche erforderlich. Weil Babys im ersten Lebensjahr viel Zeit im Bett verbringen, ist hier eine schadstoffarme Umgebung besonders wichtig.

Schon beim Einkaufen von Babykleidung und Textilien für das Babyzimmer sollten Eltern darauf achten, dass die Produkte möglichst schadstofffrei produziert sind.

Am Preis der Kleidungsstücke können Eltern sich hier jedoch nicht orientieren. Auch Produkte namhafter Hersteller und/ oder mit einem hohen Einkaufspreis sind nicht zwingend weniger mit Schadstoffen belastet.

Dennoch sollte Eltern klar sein, dass sich schadstofffreie, qualitativ hochwertige und nachhaltig produzierte Kleidung nicht zum Dumpingpreis produzieren lässt. Von Billigartikeln sollte man deswegen gerade bei Babykleidung Abstand halten.

Das Risiko für eine gesundheitliche Belastung durch Textilien lässt sich reduzieren, indem man alle Kleidungsstücke vor der ersten Verwendung wäscht. Ungefärbte Textilien können zudem keine Farbpartikel an die Haut abgeben und gelten als sicherer im Vergleich zu leuchtend bunter Kleidung.

Der Hinweis, ein Kleidungsstück separat zu waschen, gibt zudem Hinweise darauf, dass sich aus dem Textil Pigmente oder Chemikalien lösen können, die beim gemeinsamen Waschen auf andere Kleidungsstücke übergehen können.

Von diesen Produkten sollte Abstand genommen werden, weil der Sicherheitshinweis auch bedeutet, dass sich enthaltene Chemikalien aus den Fasern lösen können; und das jederzeit, nicht nur beim Wäschewaschen.

Sowohl Weichmacher als auch kritische Farbstoffe können die dünne Haut des Babys besonders leicht durchdringen und sich ggf. im Körper anreichern. Besonders kritisch ist das immer dann, wenn ein besonders intensiver oder langer Hautkontakt mit den behandelten Textilien besteht (z. B. Schlafanzüge, Schlafsack, Unterwäsche). Zu bedenken ist außerdem, dass Babys dazu neigen, alles in den Mund zu stecken.

Durch den Speichel und das Saugen an Textilien oder Kleidungsstücken können sich ebenfalls Partikel aus Textilien lösen, die unter Umständen vom Baby verschluckt werden.

Für Endverbraucher ist es schlichtweg nicht möglich, Schadstoffe in Kleidung und Textilien nachzuweisen. Ein gewisses Maß an Sicherheit gewähren jedoch sogenannte Qualitätssiegel, die nur an Produkte vergeben werden, die auf Schadstoffe geprüft und als unbedenklich eingestuft wurden.

Qualitätssiegel für Textilien:[1]

  • Öko-Tex
  • Standard 100
  • Der Blaue Engel
  • GOTS (Global Organic Standard)
  • Cradle to Cradle
  • IVN Best
  • Bluesign
  • EU-Ecolabel

Schadstoffe in Spielzeug

Sehr viele der modernen Spielzeuge werden heutzutage aus Kunststoff hergestellt. Je nach verwendetem Material lauern hier große Mengen an Schadstoffen. Besonders in Spielzeugen aus PVC werden immer wieder bedenkliche Mengen an Weichmachern nachgewiesen.

Diese Chemikalien (z. B. Pthalat) stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Damit können sie beispielsweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen oder die Leber schädigen.[2]

Weichmacher können aus Spielzeugen austreten oder ggf. auch aus ihnen herausgelöst werden. Weil die orale Aufnahme dabei der einfachste Weg in Babys Körper ist, müssen alle Spielzeuge, die das Baby in den Mund nehmen könnte, frei von Weichmachern sein.[3] Ebenso ist es möglich, dass sich Weichmacher durch Hautkontakt aus dem Spielzeug lösen und so ihren Weg in den Körper finden. [4]

Beim Kauf von Baby- und Kinderspielzeug müssen Eltern sich auf die Angaben der Hersteller verlassen. Dazu kommt, dass diese nicht verpflichtet sind, die verwendeten Materialien auf der Verpackung zu deklarieren.[5]

Gesetzliche Grenzwerte sollen jedoch garantieren, dass Spielzeug nur unbedenkliche Mengen an Weichmachern und anderen Schadstoffen enthalten. Eine Garantie auf gesundheitliche Unbedenklichkeit bieten diese gesetzlichen Grenzwerte jedoch nicht, weil viele Hersteller sich nicht daran halten.

Regelmäßige Tests zeigten in der Vergangenheit, dass sich Pthalate in Babyspielzeug nachweisen lassen, obwohl deren Verwendung hier gänzlich untersagt ist. [6] Das Verbot gilt außerdem nicht für alle Produkte, die vom Baby evtl. verwendet werden.

Schwimmhilfen oder Planschbecken gelten beispielsweise nicht als Spielzeug und dürfen so geringe Mengen an Pthalat enthalten. Beim Kauf solcher Produkte sollte man sich an Hersteller halten, die ihre Produkte als pthalatfrei bewerben.

Beim Kauf von Spielzeug sollten Eltern zuerst ihre Nase an das gewünschte Produkt halten. Riecht es auffällig chemisch oder künstlich, sollte man vom Kauf absehen. Dabei muss man jedoch im Hinterkopf behalten, dass einige besonders kritische Chemikalien (z. B. Pthalate) geruchlos sind, und deswegen den Geruchstest bestehen können.[7]

Wer Weichmacher im Umfeld des Kindes vermeiden möchte, steht deswegen vor einer großen Herausforderung. Am sichersten ist es, auf weiche Kunststoffspielzeuge komplett zu verzichten. Als Alternative bieten sich Kunststoffe an, die in der Regel ohne Weichmacher auskommen. Dazu gehören ABS, PP und PE.[8] Auch Silikon ist frei von Weichmachern und weist dabei ähnlich weiche, elastische Eigenschaften wie beispielsweise PVC auf.

Der Kauf von Produkten namhafter Markenherstellern ist ebenfalls eine Option, wenn diese genaue Angaben über die verwendeten Materialien machen. Hinweise auf qualitativ hochwertige Produkte geben beispielsweise die Angaben „PVC-frei“ oder „frei von Weichmachern“.

Vorsicht ist auch geboten beim Kauf von gebrauchten Spielzeugen. Die Grenzwerte für Weichmacher und andere Schadstoffe werden regelmäßig anhand der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst. Deswegen kann es sein, dass mehrere Jahre alte Spielzeuge den heutigen Anforderungen an die schadstoffarme Produktion nicht mehr gerecht werden.

Wer Spielzeuge fürs Baby kaufen möchte, sollte auf Prüf- und Qualitätssiegel achten. Diese bieten ein gewisses Maß an Sicherheit und werden nur an sichere Produkte vergeben. Zu den bekanntesten Siegeln gehören:[9]

  • TÜV- und GS-Zeichen
  • CE-Zeichen (gibt nur eingeschränkt Sicherheit)
  • VDE-Zeichen (bei elektronischem Spielzeug)
  • Der Blaue Engel

Schadstoffe in Möbeln

In unserem Artikel über Babys Erstausstattung haben wir bereits zusammengefasst, welche Möbel im Babyzimmer besonders beliebt sind. Viele Eltern glauben, dass speziell fürs Babyzimmer produzierte Möbel besonders sicher und damit auch frei von Schadstoffen sind. In Kombination mit einem hohen Preis wiegt man sich hier in falscher Sicherheit.

Genau wie bei Babykleidung sollte auch bei Babymöbeln klar sein, dass sich gute Qualität nicht zu Billigpreisen erwerben lässt. Wer also die günstigsten Pressholz-Möbel im Regal liegen lässt, geht einer großen Anzahl an schadstoffbelasteten Produkten bereits aus dem Weg.

Möbel aus Pressholz sind mit zahlreichen Chemikalien behandelt. Sie enthalten Klebstoffe, Beschichtungen und/oder Lackierungen, die über lange Zeit Schadstoffe an die Raumluft abgeben können. Diese Emissionen können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.[10]

Besonders problematisch sind dabei laut Bundesumweltamt Weichmacher, Lösemittel und flüchtige organische Verbindungen. Möbel aus Spanplatten enthalten außerdem häufig Formaldehyd, das aus den verwendeten Bindemitteln und Klebstoffen ausgasen kann und sich in der Raumluft anreichert.

Zu beachten ist jedoch, dass nicht alle Möbel aus Spanplatte automatisch giftige Schadstoffe enthalten. Wer sich für dieses Material entscheidet, sollte auf Möbel mit dem RAL-Umweltzeichen 38 setzen.

Dieses Siegel ist dem Umweltzeichen Blauer Engel entlehnt und zeichnet Möbel aus, die aus besonders emissionsarmen Holzwerkstoffen produziert sind.[11]

Weitere Gütesiegel für Möbel sind

  • Gütezeichen RAL-RG430
  • DIN-Zeichen
  • GS-Zeichen
  • Der Blaue Engel
  • Goldenes M
  • ÖkoControl-Siegel
  • FSC-Siegel

Besonders das erstgenannte RAL-RG430 Siegel ist für Möbelstücke aller Art ein Qualitätsmerkmal. Es wird nicht nur für Holzmöbel, sondern auch für Polster-, Küchen- und Kinderzimmermöbel vergeben. Das Siegel gilt als besonders streng und zeichnet nur Möbel aus, die den hohen Anforderungen entsprechen.

Die Testung auf verschiedene Eigenschaften (beispielsweise Schadstoffe, Farbechtheit) wird immer am ganzen Möbelstück vollzogen und von unabhängigen Laboren bestätigt. Neben den allgemeinen Qualitätsanforderungen beurteilt das Prüfverfahren auch die Eigenschaften, die das Möbelstück am Einsatzort erfüllen muss. An eine Küche werden deswegen andere Anforderungen gestellt als beispielsweise an eine Wickelkommode. [12]

Als besonders sicher gelten im Kinderzimmer und in der Wohnung allgemein Möbel, die aus unbehandeltem Massivholz hergestellt wurden. Bei Verzicht auf Klebstoffe und Lackierungen sind gesundheitliche Emissionen aus diesen Möbelstücken nicht zu erwarten.

Stammt das Holz zusätzlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft (erkennbar am FSC-Siegel), sind diese Möbel außerdem umweltfreundlich und im Sinne der sozialen Gerechtigkeit gefertigt. Weitere Vorteile an unbehandelten Massivholzmöbeln sind die hohe Stabilität, Strapazierfähigkeit und Langlebigkeit.

Viele eigens fürs Babyzimmer produzierten Produkte sind außerdem mit speziellen Funktionen ausgestattet, sodass sie beispielsweise mit dem Baby mitwachsen. Multifunktionale Möbel aus Massivholz sind zwar vergleichsweise teuer in der Anschaffung, können dafür jedoch jahrelang ohne Qualitätseinbußen verwendet werden. Ihr Wiederverkaufswert ist ebenfalls deutlich höher als der von Billigmöbeln aus Spanplatten oder Pressholz.

Sollen Massivholzmöbel für eine längere Haltbarkeit mit einer Oberflächenbehandlung versehen werden, stehen mit verschiedenen Wachsen und Ölen außerdem naturbelassene Lösungen zur Verfügung, die ebenfalls in schadstofffreien Varianten erhältlich sind.

Schadstoffe in Fußbodenbelägen

Fußbodenbeläge aller Art sowie Wandfarben, Putz oder Tapete nehmen im Raum eine sehr große Oberfläche ein. Enthalten diese Materialien Schadstoffe, können diese aufgrund der großen Fläche über lange Zeit in die Raumluft abgegeben werden.

Dazu kommt, dass das Baby im Krabbelalter ständig in direktem Körperkontakt mit dem Fußboden ist. Dieser sollte deswegen frei von Schadstoffen sein, damit eventuelle Ausdünstungen keine gesundheitlichen Schäden verursachen.

Die Verbraucherzentrale rät außerdem dazu, Bodenbeläge nicht im Säuglingsalter zu verlegen. Je neuer der Fußbodenbelag ist, desto wahrscheinlicher sind Emissionen, die in die Raumluft abgegeben werden können.[13]

Besonders starke Schadstoffbelastungen werden regelmäßig in Fußbodenbelägen aus Kunststoff gemessen. PVC- und Vinylböden können Weichmacher (Pthalate) enthalten, die im Verdacht stehen, hormonell wirksam zu sein.

Neben einem negativen Einfluss auf die Fortpflanzungsfähigkeit zeigte sich im Tierversuch außerdem eine schädigende Wirkung auf hormonproduzierende Drüsen (z. B. Schilddrüse). Einige Pthalate können zudem die Leber schädigen.[14]

Aufgrund ihrer möglichen Belastung mit Schadstoffen sind Kunststoffböden in Haushalten mit Babys im Krabbelalter deswegen weniger empfehlenswert. Ist keine Alternative denkbar, sollten Eltern darauf achten, dass der gewählte Fußbodenbelag mit einem oder mehreren der unten genannten Qualitätssiegel ausgestattet ist. Diese garantieren, dass das Material frei von Schadstoffen ist.

Das gleiche gilt auch für Teppiche und Teppichböden: Zum Krabbeln, Spielen und Toben sind sie ideal geeignet, weil sie dämpfende Eigenschaften haben und sich auch auf nackter Haut warm und angenehm anfühlen.

Gerade diese dämpfenden, weichen Teppichböden sind jedoch häufig mit einer Schaumrückseite versehen, die mit Schadstoffen belastet sein kann. Die kritischsten Inhaltsstoffe hier sind Styrol und Butadien. Letzter ist nachweislich im Tierversuch krebserregend.[15]

Styrol wird vom Bundesumweltamt als möglicherweise krebserregend eingeschätzt.[16] Wird der Teppich vollständig verklebt, kommen zu den möglichen Schadstoffen im Teppichboden noch jene hinzu, die im Kleber enthalten sind. Dazu gehören unter anderem Lösungsmittel, flüchtige organische Verbindungen (VOC), Formaldehyd und Isothiazolin.

Fußböden aus Naturstein (Marmor, Granit) sind in der Regel frei von Schadstoffen. Weil sie wenig Wärme speichern und deswegen vor allem in den Wintermonaten sehr kalt sind (Ausnahme: Fußbodenheizung), sind sie zum Krabbeln- und Laufenlernen auch nicht die erste Wahl.

Fliesen gelten ebenfalls als schadstoffarm und neigen außerdem nicht zum Ausdünsten. Immer wieder werden in lasierten Fliesen jedoch Schwermetalle und Radioaktivität nachgewiesen. Materialien aus europäischen Ländern zeigen hier jedoch ein geringeres Risiko.[17]

Beim Verlegen des Fliesenbodens ist jedoch darauf zu achten, dass alle verwendeten Fugen, Kleber und Dichtstoffe ebenfalls schadstofffrei produziert sind. Dies gilt ebenso für Fußböden aus Naturstein.

Besonders gut geeignet sind Parkettböden aus Holz und Bodenbeläge aus Kork. Auch hier garantiert ein Qualitätssiegel, dass das Material schadstofffrei ist. Zusätzliche Auszeichnungen beispielsweise für die Umweltfreundlichkeit sind ebenfalls wünschenswert.

Für die Beurteilung von Bodenbelägen stehen sehr viele Umwelt- und Qualitätssiegel zur Verfügung. Viele dieser Auszeichnungen sind auch beim Einsatz anderer Baustoffe (Farben, Lacke, Putz, Tapete) relevant. Dazu gehören

  • GuT-Siegel
  • PRODIS
  • Greenline-Zeichen
  • Natureplus
  • Blauer Engel
  • Siegel der Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoff e. V. (EMICODE EC1)
  • Euro-Blume
  • IBR-Zertifikat
  • Korklogo
  • PEFC-Label
  • ToxProof (Siegel der TÜV Produkt und Umwelt GmbH)

Schadstoffe in Reinigungs- und Waschmitteln

Die große Auswahl an Reinigungsmitteln im Supermarkt und in der Drogerie suggerieren, dass für jeden nur denkbaren Anwendungszweck ein Spezialreiniger benötigt wird. Neben sinnvollen Substanzen zum Fettlösen oder zur Beseitigung von Kalk enthalten sehr viele Reiniger Zusatzstoffe, die der Gesundheit schaden können.

Dazu gehören unter anderem

  • Duftstoffe und Parfüms: Duftstoffe können künstlich hergestellt oder natürlichen Ursprungs sein. Sogenannte ätherische Öle werden gerne als gesunde Alternative zu künstlichen Stoffen propagiert. Viele ätherische Öle stellen jedoch für Babys und Kleinkinder ein hohes Sicherheitsrisiko dar, weil sie ebenfalls Allergien auslösen können und darüber hinaus die Atemwege belasten.[18]

Die am häufigsten eingesetzten Duftstoffe hat das Umweltbundesamt in diesem Flyer zusammengefasst: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3485.pdf

  • Tenside: Ohne Tenside würde kein Reinigungsmittel seinen Zweck erfüllen können. Sie sorgen dafür, dass sich Verschmutzungen (insbesondere Fette) mit Wasser lösen lassen. Verschiedene Arten von Tensiden sorgen dabei für ganz unterschiedliche Wirkungen. Tenside werden meist auf Basis von Erdöl hergestellt und müssen laut EU-Verordnung biologisch abbaubar sein.[19] Je aggressiver das verwendete Tensid ist, desto höher ist das Risiko für Hautreizungen und gesundheitliche Probleme. Wann immer möglich, sollten Tenside deswegen sparsam eingesetzt werden. Produkte natürlichen Ursprungs (z. B. Seife) sind synthetischen Lösungen vorzuziehen.
  • Konservierungsstoffe: Konservierungsstoffe sorgen für eine lange Haltbarkeit von Reinigungsmitteln und sind meist auf synthetischer Basis hergestellt. Auf ihren Einsatz muss auf der Packung hingewiesen werden. Besonders aggressive Zusätze müssen dabei mit einem Sicherheitshinweis auf der Verpackung ausgelobt werden. Zudem gibt es für gesundheitlich bedenkliche Konservierungsmittel (z. B. Formaldehyd) Grenzwerte. Neben den gesundheitlichen Risiken belasten Konservierungsmittel die Umwelt und sind in vielen Fällen auch giftig für Wasserorganismen.
  • Desinfektionsmittel: Desinfektionsmittel werden in sehr vielen Haushalten sehr sorglos eingesetzt. Insbesondere die Mittel aus der Drogerie versprechen eine Reduzierung der Bakterien um 99,9 %. Viele Anwender vergessen dabei, dass trotzdem mehrere Millionen Bakterien den Reinigungsvorgang überleben.

Und das ist auch gut so, denn die meisten Keime im Haushaltsumfeld sind in gesundheitlicher Hinsicht ohnehin nicht von großer Bedeutung. Hier müssen Bakterien ganz klar unterteilt werden in Krankheitserreger und jene Bakterien, die zum gewöhnlichen Mikrobiom gehören. Des Weiteren weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung darauf hin, dass Desinfektionsmitteln in gewöhnlichen Haushalten fast immer überflüssig sind.[20] Bei akuten Infektionen (z. B. Magen-Darm-Grippe) kann die Desinfektion von Oberflächen jedoch sinnvoll sein. In diesen Fällen sollten jedoch zertifizierte Desinfektionsmittel aus dem medizinischen Bereich verwendet werden, um die Wirksamkeit gegen den spezifischen Krankheitserreger sicherzustellen.

  • Enthärter: Diese Zusatzstoffe sollen die Wirksamkeit von Tensiden unterstützen und sorgen gerade bei Wasser mit hohem Härtegrad dafür, dass weniger Reinigungsmittel verwendet werden muss. Eigentlich eine gute Sache, doch viele Enthärter sind selbst aggressive Chemikalien, die ins Abwasser gelangen und so die Umwelt belasten können. Als Ersatz werden deswegen häufig andere Zusatzstoffe verwendet (z. B. EDTA). Diese sind jedoch nur schlecht biologisch abbaubar[21] und müssen deswegen in ihrer Konzentration beschränkt und in der Inhaltsstoffliste angegeben werden. Umweltfreundliche Alternativen sind beispielsweise Zitronensäure (Citrat), Soda, Zeolith A und Silikate.[22]
  • Enzyme: Sie sind in vielen Waschmitteln enthalten und häufig Gegenstand der Werbeversprechen. Enzyme gelten als biologisch und natürlich und vermitteln ein Gefühl von Umweltfreundlichkeit. Die Problematik von Enzymen geht dabei von ihrem Ursprung aus. In Reinigungsmitteln werden fast immer genmanipulierte Enzyme verwendet.[23] Positiv zu vermerken ist, dass Enzyme biologisch gut abbaubar sind und bei ihrer Entsorgung die Umwelt kaum belasten.
  • Bleichmittel: Bleichmittel hellen Oberflächen und Textilien auf, sorgen für eine zuverlässige Fleckentfernung und reduzieren die Anzahl an Bakterien fast so gut wie Desinfektionsmittel. All diese zugegeben sehr großen Vorteile erkauft man sich als Verbraucher jedoch mit hohen Risiken für Gesundheit und Umwelt. Bleichmittel sind ökologisch bedenklich, töten Wasserorganismen und lassen sich in Kläranlagen kaum aus dem Abwasser entfernen. Bleichmittel können außerdem die Oberflächen von Sanitäranlagen (z. B. Badewanne, Waschbecken) angreifen und sie so noch anfälliger für Verschmutzungen machen. Ihre gesundheitsschädliche Wirkung entfalten sie besonders auf der Haut, auf Schleimhäuten, im Magen-Darm-Trakt und in den Atemwegen. Das Einatmen der Dämpfe kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Bleichmittel sollten äußerst sparsam und nur dann eingesetzt werden, wenn Versuche mit natürlichen Alternativen (Backpulver, Natron) nicht den gewünschten Erfolg bringen.
  • Säuren: In Reinigungsmitteln werden zahlreiche verschiedene Säuren verwendet, die den pH-Wert des Produktes beeinflussen. Mit säurehaltigen Reinigungsmitteln lassen sich Kalk, Urinstein oder Rost entfernen. Sie greifen jedoch die Haut an und müssen nach der Reinigung rückstandsfrei von allen Oberflächen entfernt werden, mit denen im Alltag Körperkontakt besteht (z. B. Dusche, Waschbecken). Säuren können Oberflächen angreifen und Kunststoffe porös werden lassen. Außerdem reizen sie die Augen und die Atemwege und stellen so ein Sicherheitsrisiko dar.

Weil Babys und Kleinkinder besonders empfindlich auf diese Zusatzstoffe reagieren, sollten Eltern ihre Reiniger mit Bedacht kaufen und auf die Inhaltsstoffe achten. Besonders kritisch sollte man mit allen Produkten aus dem Reiniger-Sortiment sein, die nicht zwingend für die tägliche Hygiene erforderlich sind.

Allem voran sind hier Lufterfrischer und Raumdüfte zu nennen. Diese sollen mit einem angenehmen Duft für eine besondere Wohlfühlatmosphäre sorgen und einen Eindruck von Sauberkeit vermitteln. In Wirklichkeit belasten sie mit ihren Treibgasen und Duftstoffen die Raumluft und senken die Luftqualität deutlich.

Regelmäßiges Staubsaugen, feuchtes Wischen und Durchlüften sind vollkommen ausreichend, um die Luftqualität in Innenräumen zu erhalten und helfen gleichzeitig gegen die Entwicklung von schlechten Gerüchen.

Besondere Vorsicht ist auch bei der Wahl von Waschmitteln geboten. Weil diese Rückstände in Babys Kleidung hinterlassen, können sie Allergien auslösen und die Haut reizen. Hersteller spezieller Baby-Waschmittel versprechen jedoch, dass diese besonders hautverträglich und frei von allergieauslösenden Stoffen sind.

Auch die Verwendung von Weichspülern sollte man in Haushalten mit Babys – und laut verschiedener Verbraucherzentralen generell – überdenken.[24] Sie tragen nicht zur Reinigungsleistung bei und belasten neben dem Geldbeutel auch die Umwelt. Die enthaltenen Duftstoffe können außerdem Allergien auslösen und die Haut reizen.

Wer auf weiche Wäsche nicht verzichten möchte, kann alternativ etwas Essig ins Weichspülerfach geben. Vor dem Geruch braucht man keine Angst haben, er verbleibt nicht in der Wäsche.

Wer nun mit neuartigen Wäscheparfüms den Verzicht auf Weichspüler kompensieren möchte, wird an dieser Stelle enttäuscht sein. Diese Produkte sind ebenfalls umweltschädlich, teuer und enthalten Duftstoffe, die Allergien auslösen können.[25]

Aufgrund der aggressiven Substanzen in Fleckentfernern sollte man auf diese ebenfalls verzichten, wenn man Babys Wäsche reinigt. Hartnäckige Flecken lassen sich in der Regel einfach mit handelsüblicher Gallseife entfernen.

Die Qualitäts- und Gütesiegel für Reinigungs- und Waschmittel konzentrieren sich hauptsächlich auf die Bewertung von gesundheits- und umweltschädlichen Eigenschaften. Die bekanntesten sind:

  • Nature Care Product Siegel (NCP)
  • Ecocert
  • Öko-Siegel
  • Blauer Engel
  • EU-Ecolabel
  • Nachhaltigkeitsinitiative der A.I.S.E.

So hält man die Raumluft frei von Schadstoffen

Schadstoffe in der Raumluft stammen überwiegend aus den Emissionen schadstoffbelasteter Einrichtungsgegenstände. Möbel, Fußbodenbeläge, Wandanstriche und Lacke in Tür- und Fensterrahmen tragen ebenso zu einer belasteten Raumluft bei wie Duft- und Raumsprays.

Auch scharfe und aggressive Reinigungsmittel können giftige Dämpfe entwickeln, die sich in der Raumluft verteilen und von allen Familienmitgliedern eingeatmet werden.

Ob die Luft in den eigenen vier Wänden bereits mit Schadstoffen belastet ist, lässt sich manchmal nur schwer erkennen. Offensichtlich ist dies beispielsweise, wenn ein neuer Fußboden ausgast und der Raum daraufhin wochenlang chemisch riecht.

Auch bei neu auftretenden gesundheitlichen Problemen (z. B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemwegsprobleme) sollte an eine Schadstoffbelastung gedacht werden, wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden.

Die Quelle für die Schadstoffbelastung lässt sich dabei nicht immer zweifelsfrei feststellen. Insbesondere in Mietwohnungen sind einem häufig die Hände gebunden. Wer beispielsweise in ein frisch renoviertes Mietobjekt einzieht, hat keinerlei Kenntnis oder Kontrolle darüber, welche Materialien verwendet wurden und ob diese mit Schadstoffen belastet sind.

Hier kann man nur Schadensbegrenzung betreiben, indem man bei zukünftigen Renovierungsarbeiten auf sichere Werkstoffe achtet und beim Möbelkauf ebenfalls auf schadstofffreie Produkte setzt.

Für die meisten Familien ist es mit Kenntnisnahme einer Schadstoffbelastung nicht praktikabel, ganze Wohnraumeinrichtungen zu ersetzen. Bei der Sanierung von Mietobjekten sind ebenfalls natürliche Grenzen gesetzt, weil hier hohe Kosten entstehen können, die von den meisten Vermietern nicht getragen und oft auch nicht toleriert werden.

Trotzdem kann man einiges tun, um die Raumluft so sauber wie möglich zu halten

  • Häufiges Lüften
  • Verzicht auf Raum- und Duftsprays (Ausnahme: Produkte, die garantiert frei von gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen sind)
  • Schimmel vermeiden (richtig heizen, Stoßlüften)
  • Klimaanlagen regelmäßig warten lassen
  • Auf gesundheitsschädliche Reinigungsmittel verzichten
  • Ausgasende Bodenbeläge und Möbel nach Möglichkeit ersetzen
  • Verzicht auf Tabakprodukte in Innenräumen
  • Beim Abbrennen von Kerzen auf Produkte aus Echtwachs ohne Farb- und Duftstoffe setzen

Bei einem Verdacht auf ausgeprägte Schadstoffbelastungen, die bereits zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt haben, besteht Handlungsbedarf. Ernsthafte gesundheitliche Folgen gehören zudem in die Hände eines Kinderarztes bzw. Umweltmediziners. Mit einer Raumluftanalyse lassen sich Schadstoffe erkennen und ihre Belastungsintensität messen.

Mit diesen Tests kann man ein zertifiziertes Unternehmen beauftragen. Im Handel sind außerdem Selbsttests erhältlich, die man problemlos zuhause durchführen kann. Hier sollte man sich jedoch bewusstmachen, dass diese Testverfahren in ihrer Zuverlässigkeit nicht an professionelle Testverfahren heranreichen können. Dafür sind sie deutlich günstiger und ermöglichen zumindest einen ersten Überblick über die Anzahl und Menge der Schadstoffe in den eigenen vier Wänden.[26]

Wichtiger Hinweis und Disclaimer:

Dieser Artikel behandelt unter anderem ein Gesundheitsthema. Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen und wurden sorgfältig recherchiert und mit fundierten Quellenangaben belegt. Die bereitgestellten Informationen erfolgen so objektiv wie möglich und sind – so weit möglich – frei von Wertung und Empfehlung.

Für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit wird jedoch keine Garantie gegeben. Dieser Artikel dient nicht der Eigendiagnostik oder der medizinischen Beratung, sondern hat rein informativen Charakter. Er kann und soll die Beratung durch einen Arzt oder eine Hebamme nicht ersetzen.

Quellen

[1]https://greenwire.greenpeace.de/system/files/2019-04/e01211-greenpeace-chemie-einkaufsratgeber-textil-siegel-2018.pdf

[2]https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/chemie/chemie_achtung_plastik_broschuere.pdf

[3]https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/chemische-stoffe/weichmacher#was-sind-weichmacher

[4]https://www.test.de/FAQ-Phthalate-Was-Sie-ueber-die-Weichmacher-wissen-sollten-5368775-0/#question-1

[5]https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/gefahren-fuer-die-gesundheit-durch-plastik-7010

[6]https://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=3&ID=2849&lang=DE&Pdf=No

[7]https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/spielzeug/plastikspielzeug-6911

[8]https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/gefahren-fuer-die-gesundheit-durch-plastik-7010

[9]https://www.bund.net/themen/chemie/toxfox/spielzeugsiegel/

[10]https://www.umweltbundesamt.de/themen/augen-auf-beim-moebelkauf

[11]https://produktinfo.blauer-engel.de/uploads/criteriafile/de/DE-UZ%20038-201301-de%20Kriterien.pdf

[12]https://www.dgm-moebel.de/files/zedwcs/7a2f65ae72deffe5f66dc02a1b7bb349.pdf

[13]https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/umweltschutz-fuer-kinder/wie-sie-schadstoffe-im-kinderzimmer-vermeiden-7898

[14]https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/chemische-stoffe/weichmacher/haeufige-fragen-zu-phthalaten-bzw-weichmachern#gehen-von-phthalaten-gesundheitliche-risiken-aus

[15]https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Berufskrankheiten/pdf/Begruendung-Leukaemie-Butadien.pdf?__blob=publicationFile&v=3

[16]https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/515/dokumente/styrol.pdf

[17]https://www.eggbi.eu/fileadmin/EGGBI/PDF/Moegliche_Schadstoffe_aus_Bodenbelaegen_EGGBI.pdf

[18]https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2015-11/aetherische-oele-fuer-babys-und-kleinkinder-gefaehrlich/

[19]https://www.bmu.de/fileadmin/bmu-import/files/pdfs/allgemein/application/pdf/vo_648_2004.pdf

[20]https://www.infektionsschutz.de/hygienetipps/desinfektionsmittel.html#c6391

[21]https://www.chemie.de/lexikon/Ethylendiamintetraessigs%C3%A4ure.html#Biologische_Abbaubarkeit_und_Toxikologie

[22]

[23]https://www.vzhh.de/themen/umwelt-nachhaltigkeit/wasch-reinigungsmittel/sind-gentechnisch-hergestellte-enzyme-waschmitteln-ein-problem

[24]https://www.vzhh.de/themen/umwelt-nachhaltigkeit/wasch-reinigungsmittel/welche-wasch-hilfsmittel-brauche-ich-nicht

[25]https://www.vzhh.de/themen/umwelt-nachhaltigkeit/wasch-reinigungsmittel/lenor-unstoppables-was-fuer-eine-dufte-umweltbelastung

[26]https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/schadstoffe-in-innenraeumen-was-sie-dagegen-tun-koennen-12463

 

Bildquellen

Illustrationen: Natalya Zelenina