Und plötzlich warst du fort.... Wenn die eigene Mutter stirbt

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich überhaupt darüber schreiben soll. Aber es gehört nun mal zu mir, und ich denke das Thema Tod und Trauer sollte nicht verschwiegen werden, auch nicht auf einem Familienblog. Denn Tod gehört zum Leben dazu. Auch Kinder werden irgendwann zwangsläufig mit diesem Thema konfrontiert. Bei Noel fing es an mit dem Tod seines leiblichen Vaters, dessen Mutter und nun meiner Mutter. Und ich bin so erstaunt über dieses kleine Wesen, was den Anschein macht, eine so gute Lösung für sich gefunden zu haben um mit diesem Thema umzugehen. Und ich wünschte mir so sehr, dass auch ich eine so gute Lösung hätte, damit umzugehen, Trost zu spüren. Aber die habe ich nicht. Jeden Tag aufs neue fehlt sie mir.



Meine Mutter und meine beste Freundin. Meine Mutter war eine ganz große Weile der wichtigste Mensch in meinem Leben, immer war sie da, wie ein heller Schatten holte sie mich aus den tiefsten Löcher wieder raus. Sie war der gute Geist der Familie und hat uns zusammen gehalten. Seitdem sie im September, genau zwei Tage vor Noels Geburtstag von uns gegangen ist, ist nichts mehr wie es vorher war. Mein Vater, mein Bruder und ich wurde durch meine Mama zusammen gehalten, jetzt habe ich das Gefühl von ihnen noch weiter entfernt zu sein. Ich liebe meinen Vater und meinen Bruder genauso wie meine Mutter, doch wir waren uns noch nie besonders nah, haben uns nie so besonders gut verstanden. Meine Mutter konnte ich zu jedem Zeitpunkt anrufen und über alles mit ihr reden. Über alles, und ich vermisse es so. Und zu wissen, dass nie wieder ein Anruf kommen wird, am 08.März um 15.13 Uhr zerbricht mir im Moment das Herz. Ja es ist nun zwei Monate her, doch die Trauer sitzt immer noch viel zu tief. Auch wenn ich meiner Mutter versprechen musste, mein Leben zu leben und nicht zu trauern, so stecke ich einfach fest, fest in dieser Trauer. Und sie lässt mich derzeit einfach nicht los. Ich bin stark für meine Familie, für meine Kinder und für meinen Mann. Denn auch er hat sehr gelitten, für ihn war es die beste Schwiegermutter die er sich vorstellen konnte. Ich habe versucht stark zu sein, doch jetzt fühle ich mich ohnmächtig und würde mich gerne meiner Trauer einfach hingeben.

Ich hatte lange Zeit mich zu verabschieden. Aber auch wenn es nach der Diagnose hieß, dieses Weihnachten noch, so kam es mir alles viel zu schnell vor. Zur Taufe von Ben wusste sie bereits, dass irgendetwas nicht stimmt. Lange hatte sie die Schmerzen einfach runtergeschluckt. Als die Diagnose Krebs dann aber kam, gab es ein Gespräch und wir alle wussten, dass wir uns bald verabschieden müssten. Kurz vor unserem gemeinsamen Urlaub, vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an meinen Urlaubsbericht, bekam sie ihre erste Chemotherapie und zu dem Zeitpunkt ging es ihr schon nicht mehr gut. Kurz darauf war klar, der Krebs hatte gestreut. Sie brach nach der dritten Behandlung die Therapie ab und ließ sich auf die Palliativstation verlegen. Ich erinnere mich noch wie mein Vater anrief und sagte, wir sollten das Wochenende kommen, es könnte das letzte sein. Aber das war es nicht. Es folgten noch drei weitere Wochenenden.

Am 12. September hatte Ben einen Unfall und ich bin mit ihm ins Krankenhaus, wir blieben bis Mittwoch. An dem Morgen der Entlassung rief mein Vater wieder an, sie ist eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Ich war erleichtert, weil meine Mutter lange gelitten hat, und doch war ich so traurig. Ich versuchte gefasst zu sein. Wir wurden gegen Mittag von meinem Schwiegervater abgeholt, ich überlegte lange ob ich meinen Mann anrufen sollte. Doch als ich die ersten Facebook-Posts zum Tod meiner Mutter las, musste ich ihn einfach anrufen.

Und jetzt? Früher habe ich meine Mutter angerufen wenn ich traurig war. Wen soll ich jetzt anrufen. Viele boten ihre Hilfe an, ich könnte mich ja immer melden. Ja, dafür bin ich auch dankbar, aber ganz ehrlich, der einzige Mensch mit dem ich wirklichen sprechen möchte ist nicht mehr da.

Ich fühle mich gerade ein wenig erleichtert und ich danke euch, dass ihr mir zugehört habt. Ich kann mir vorstellen, dass viele von euch ebenso schon den ein oder anderen Verlust verkraften musste.

2 Kommentare

  1. Erstmal mein herzliches Beileid. Das Foto hat mich gleich an meine Mutter erinnert und mir erging es ganz ähnlich... es war eine ganz schlimme Zeit und meine Mutter kämpfte über Jahre gegen den Krebs, hatte zahlreiche Chemos, immer wieder mit anderen Mitteln und Dosierungen, Operationen, Metastasen. Sie hat den Kampf verloren und ich habe es nie verkraftet. Bis heute versuche ich es zu verdrängen und bin zum Glück mit der eigenen Familie nun gut eingespannt. Sie hat leider meine Schwangerschaft und ihre Enkelkinder nie erleben können... gerade in der ersten Zeit mit Baby habe ich sie schmerzlich vermisst. So viele Fragen hätte ich an sie gehabt... ich habe zum Glück noch meinen Vater, aber natürlich weiss er vieles nicht und mit meiner Mutter hatte ich natürlich auch viel mehr Kontakt, wir telefonierten und schrieben uns oft...

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    1. Hallo meine Liebe,
      auch dir möchte ich mein herzliches Beileid aussprechen.
      Die eigene Mama zu verlieren ist immer verdammt hart. Und deine musste es leider so lange durchleiden. Bei meiner Mutter ging es alles so schnell. Nicht mal ein halbes Jahr. Krebs ist eine scheiß Krankheit.
      Das einzige was uns bleibt, sind die Erinnerungen. Und die Beschäftigung in unserer "eignen" Familie......

      Liebe Grüße Melanie

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