Und dann gab ich auf....Oder?

13. April 2016
"Adele rastete auf der Bühne aus und griff Star-Koch Jamie Oliver öffentlich an."
Das machte mich hellhörig, ohne zu wissen worum es ging, nur allein der Tatsache, dass ich beide gerne mag, öffnete ich den Link. Was ich dann las verwunderte mich. Der Fernsehkoch unterstützt eine breit angelegte Kampagne, die dazu dienen soll, jungen Müttern das Stillen ihrer Babys näher zu bringen. 
"Was denkt sie sich nur? Es ist doch eine tolle Sache für die Jamie eintritt!" Meine ersten Gedanken gingen gegen Adele, dann las ich weiter. Adele berichtete, dass sie Probleme mit dem Stillen hatte und einfach nur nicht genügend Milch vorhanden war. Weiter heißt es, "dieser Druck auf uns Frauen ist einfach nur lächerlich!..."
Bumm, mir wurde schlagartig klar, wie recht sie damit hat.


Aus Liebe zu meinem Sohn
Meine Gedanken kreisten wieder um meinen Sohn, wie ich ihn das erste Mal anlegte und wie glücklich ich darüber war. Nichts mehr hatte ich mir die ganze Zeit gewünscht, mein gesundes Kind zu stillen. Doch bereits bei der ersten Mahlzeit fing er an zu schreien. Ich legte ihn erneut an, ich wechselte die Seiten. Immer wieder schrie er. Auch die Hebamme kam und legte ihn erneut an. Von da an, war das Stillen eine Tortur. Tagsüber ging es, im Krankenhaus stillte ich ihn und er schlummerte zufrieden. Aber nachts schrie er, nichts konnte ihn beruhigen. Meine Brustwarzen wurden blutig und ich bekam eine Salbe, die mir wirklich Linderung verschaffte, bis ich ihn wieder anlegte.

Eine Woche verging, er schrie bei jeder Stillmahlzeit. Meine Verletzungen heilten nur schlecht und ich hatte starke Schmerzen. Ich redete mit dem verschiedenen Personen, die mir rieten das ich ihn anders beruhigen sollte. Der Kinderarzt beruhigte, er nähme ja auch zu. Natürlich nahm er zu, ich fütterte ja auch bei.


Trotz der Schmerzen dachte ich nur, ich muss durch halten, es wird besser. Jede Frau kann stillen! Damit setzte ich mich selber weiter unter Druck. Ich pumpte nach jeder Mahlzeit weiter, ich aß Müsliriegel und trank Stilltee. Nichts half, Ben schrie weiter an der Brust. Viele Tränen kullerten, vor Schmerzen aber vor allem vor Traurigkeit. Ich sah Bilder auf Instagram, Mamis die ihre Babys stillten, zufrieden und glücklich. Und ich dachte immer wieder nur, warum klappt es bei uns denn nicht?



Und dann gab ich auf
Nach genau fünf Wochen hörte ich auf. Ich hörte auf zu weinen, ich hörte auf mit meinem Selbstmitleid und mit meinen Selbstvorwürfen. Ich hörte auf zu stillen. Und für mich war es wie eine Niederlage, ich gab auf. Ich fing an ihn nur noch mit der Flasche zu füttern. Er bekam ein wenig Bauchweh, was wir mit einem Mittel aus der Apotheke aber auch in den Griff bekamen. Und plötzlich war das kein Geschrei mehr. Ein lächelndes und zufriedenes Baby sah mich mit großen Kulleraugen an, griff mit seinen kleinen Händchen in mein Gesicht. Und dann liefen wieder die Tränen, weil ich merkte, dass ich keine schlechte Mutter bin, nur weil ich nicht stille. Ich tauschte nur die eine liebevolle Fütterung gegen die andere aus.


Liebe Mütter, liebe werdende Mütter,
Stillen ist eine Entscheidung. Eure Entscheidung und die eures Babys.
Seid nicht traurig darüber, wenn es nicht klappt. 

Das einzige was euer Baby wirklich braucht ist eure Liebe, nicht die Art wie ihr es ernährt.
Wenn ihr stillen könnt, freut euch darüber, aber bitte verurteilt niemanden, der es nicht kann oder nicht will!

Ich habe gelernt, dass nicht jede Frau stillen kann und auch nicht jede Frau stillen möchte. Und das ist genauso richtig, wie es ist.

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